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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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gelten. Von da an datiert auch im Keim die Spaltungin der nationalliberalen Partei.

Persönliche Anschauungen des Kanzlers, dem eigenenGesichtsfeld nnd alten Rcminiszenzen entsprungen, drängensich von nun an mehr und mehr in den Vordergrund, und,was viel schlimmer, Anschauungen Dritter, bestimmten Jn-teressenkreisen entstammend, verstehen sich einzuschmeicheln.Alle unter dieser Einwirkung auftaucheudeu Entwürfe tragendenselben Stempel eines mit schnell wirkender Gewalt hastiggesuchten Erfolges. Flache Empirie wird für höchst praktischeWeisheit, jeder Einwand wird für doktrinäre Thorheit erklärt.Was hat den mächtigen Geist irre gemacht an der Gedanken-richtung, auf die er eingegangen war, was hat ihn zurück-getrieben zu jenen alten Anschauungen, die er zwar gewis;niemals einer Schwärmerei für Humanität oder Freiheitgeopfert (man erinnere sich schon aus der ersten Zeit anseinen heftigen Protest im Streit um die Todesstrafe!), dieer aber bei dem gewaltigen Ansatz zu großen neuen Ge-staltungen ganz von selbst abgeschüttelt hatte? Die Annalendes Norddeutschen Bundes bewahren uns ei» charakteristischesMerkmal der Eriuueruug an jenen ersten frischen LebenS-hauch, der sofort antrieb, mit den kleinlichen Überlieferungendes engherzigen patriarchalischen Staates zn brechen. Imersten Band des Gesetzblattes für den Norddeutschen Bnnd,unmittelbar nach der Publikation der Verfassung, der Er-nennung des Kanzlers nnd der Einberufung des Reichstags,beginnt die Reihe der Verkündigungen mit dem Gesetz überdas Paßwesen vom 12. Oktober 1867, welches Inländer

tag in Vreslau unlängst also vernehmen ließ: Als im Jahre 1875/76das deutsch -konservative Programm unter Mitwissen des FürstenBismarck zu Stande kam, da ahnten es damals wohl kaum die Be-gründer der deutsch -konservativen Partei, daß schon im Jahre 188l) fastjeder einzelne Punkt dieses Programms in Angriss genommen oder wenigstensin Betracht gekommen sein würde. (Nach der Krcuz-Zcituug.)