— 77 -
ühnlichkeit bange würde. Aber freilich! wenn mit sichimmer steigernder Selbstgewißheit verkündet wird, daß derStaat alle Sphären des Lebens durchdringen, beseelen, ein-richten und lenken müsse, und wenn nun diese doktrinärstealler Doktrinen von dem allumfassenden Beruf des unfehl-baren Staates vor den Einen hintritt, in dessen Personsich so viel staatliche Macht verkörpert, so müßte der Einein der That übermenschliche Entsagungskraft im Busentragen, damit er dieser Versuchung, ein Gott zu werden,widerstände.
Gerade die eminenten Gaben, welche den einen Mannbefähigten, zu vollbringen, was die Nation im Laufe derJahrhunderte uicht vollbracht hatte, gerade diese Gabenschlugen ihm und ihr zum Schaden aus als er, dem eigenen,richtigen Gefühl von ehedem entsagend, seine PersönlicheWirksamkeit mit ihrer eigentümlichen Methode auf das Ge-biet des inneren Staatslebens übertrug. Denn der Naturdieser iuneren Entwicklung widerstrebt von Grund ausalles gewaltsame, von außen eingreifende, mechanische Er-fassen der Dinge. Hier gilt kein schnelles, urplötzlichesMachen, hier gilt nur geduldige Pflege und Förderung ein-geborener, still wirkender Anlagen; hier lohnen nicht rascherzielte Resultate, hier lohnt nur langsames Wachstum;hier frommt es nicht, im Dienst des Augenblicks ein ein-ziges Ziel mit Hintansetzung und Preisgebung aller anderenrücksichtslos zu verfolgen, hier beruht das Heil auf demGleichgewicht der im tausendfältigen Getriebe menschlicherThätigkeit nach allen Seiten ebenmäßig und frei waltendenKräfte. Schon zu der Zeit, da der Kanzler noch Zurück-haltung übte, verriet sich, wenn die notwendige Verkettungder Dinge ihn hie und da an die innere Politik heran-führte, die Unberufenheit eines Ingeniums, welches vor-zugsweise mit drastischen Mitteln Menschen und Dinge von