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eigenen Grundsätze die Arbeit wieder aufnimmt. Dennnichts widerspricht diesen Grundsätzen schärfer, als dieMethode, welche der Kanzler in die innere Politik einge-führt hat, seitdem er zu dem Entschlüsse gekommen ist, seinenfrüheren Mitarbeitern jeden Einfluß auf dieselbe zu ent-ziehen uud allein Alles zu machen.
Es gab eine Zeit, wo der Kanzler, ans konkrete Fragender inneren Gesetzgebung angeredet, zur Antwort gab, da-von verstehe er nichts, dafür lasse er Delbrück sorgen, Del-brück oder einen Anderen, den es gerade anging. Auf ein-mal wie über Nacht schlug die Sache um. Hatte sich derKauzler wirklich in der Zeit seiner vollsten Kraft und Wirk-samkeit so schwer über sich selbst geirrt, als er seine Kom-petenz in Dingen, denen er vordem nie berufsmäßige Auf-merksamkeit geschenkt, ablehnte? Oder ist ihm, da wir dochschließlich dem ehemals von ihm selbst abgegebenen Zenguisglaubeu dürfen, die höchste und tiefste Einsicht über Dinge,denen er sich bis dahin ferngehalten, im Handumdrehenangeflogen, wie man jetzt zuweilen hören kann? Diejenigennatürlich, welche ihm mit dieser Vergötterung dafür lohnen,daß der plötzlich über ihn gekommene Berns so handgreiflichzu ihrem Vorteil ausgeschlagen ist, haben sofort als Er-klärung die Intuition des Genies bereit, welches nur zuwollen braucht, um in Allem das Höchste zn leisten. Aberobwohl diese servile Beräucherung an dem Umschwung derDinge nicht uubeteiligt war, so darf man doch dem skepti-schen Geiste des Verherrlichten zutranen, daß er inmittenall der wohlberechneten Götzendieners noch sein Teil Selbst-kritik und Kritik der Andern geübt haben wird. Er müßtenichts mehr von dem oft gezeigten Sinn für die Grenzenmenschlicher Vollkommenheit haben, wenn ihm nicht manch-mal mitten in den großen Anläufen zum Umbau des gauzeuStaats- uud Verkehrslebens vor der ihm Anerkannten Gott -