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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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alle einzelnen Gewerbe heben könne; daß im erschwerten,erzwungenen, bevormundeten Verkehr der wahre Hebelmenschlicher Thätigkeit liege; daß die Beschränkung derFreiheit, sich niederzulassen, Gewerbe und Geschäfte zu be-treiben, vereinbar sei mit dem Sittenzustand und dem Er-werbsleben eines modernen Kulturvolks und mit den Grund-bedingungen des Wettkampfes auf dem für Deutschlands große Industrie unentbehrlich gewordenen Weltmarkt.

Wer glaubt, daß überhaupt dauernde, umfassende, vomGeist des Jahrhunderts beseelte Institutionen des öffent-lichen und privaten Lebens nur Ausgeburten doktrinärer' Träumereien seien, der folge auch weiter dem Zug seinerBewunderung und seines Vertrauens.

Aber er verlange das gleiche nicht von anderen! Mußauch willig eingeräumt werden, daß jeder Mensch undje hervorragender er ist, desto mehr das Recht hat, dieFehler seiner Vorzüge zu besitzen, so folgt daraus für dieAndern nicht die Verpflichtung, sich diesen Fehlern blind-lings zu unterwerfen, vollends nicht, wenn die Fehler imWachsen sind, die Vorzüge im Zurückgehen.

Nicht Jedem ist es gegeben zu folgen, wenn heute dereine Grundsatz als richtig verkündet wird und morgen derentgegengesetzte; wenn beim Übergang von einem Stand-punkt zum andern Alle, die nicht den Sprung mitmachen,aus verdienten Freunden zu thörichten Feinden der gutenSache umgestempelt werden; wenn Anordnungen, kaum indie Welt gesetzt, wieder beseitigt werdeu, weil sie denwechselnden Anwandlungen ihres Schöpfers selbst im Wegstehen; und wenn dann der aus solcher Behandlung derDinge notwendig sich ergebende Verbrauch an Menschenund Maßregeln nötigt, immer weniger wählerisch zn werden,weil an Gefügigkeit und Biegsamkeit gar viel verlangt wird,um dem öffentlichen Wesen zu dienen.