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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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empsindung, welche dieser Zustand dem Kanzler einflößte,fiel notwendig auf die ganze Partei und steigerte die Ent-fremdung. Und da der Fürst auch ein Mensch ist, sokönnen und werden ihn wohl subjektive Empfindungen mit-unter weiter nach rechts getrieben haben, als seine objektivenErwägungen allein gethan haben würden. Dieses Momentaber dürfte jetzt heilsamerweise gerade in sein Gegenteilumschlagen, wenn er mit einer Fraktion zu thun bekommt,aus der alle ihm anstößigen Elemente entfernt sind, miteiner Fraktion, deren überlebender Teil durch sein un-beirrtes Aushalten ihm deu sprechenden Beweis unerschüttertenVertrauens darbringt. Einer solchen Fraktion wird er ge-wiß nichts zum Tort, vielleicht manches zu Liebe thun. Inihr aber werden die liberalen Reminiscenzen gerade vermögeder Herausforderung, die in dem ihr zugekommenen Absage-brief liegt, zu neuem Ehrgeiz erwachen, und Dank der er-neuten Annäherung, werden, wer weiß! vielleicht auch einigeliberalen Ratschläge den verlorenen Weg in die Wilhelm-straße wiederfinden.

Das alles wäre noch viel wahrscheinlicher, wenn nichtin der Hauptfrage Herr von Bennigsen mit seiner Ansichtim geraden Gegensatz zum Fürsten Bismarck stünde. Erist von Anbeginn der unerbittliche Gegner des Tabaks-monopols gewesen, hat den Widerstand gegen dasselbe zuseiner persönlichen Aufgabe gemacht. Bennigsen verwirftdies Monopol grundsätzlich, während mancher seiner ehe-maligen Fraktionsgenosfen es nur zur Zeit und als einStück von jenem Staatssozialismus bekämpft, welchem inDeutschland Sozialdeniokratie und Autoritätsprinzip mitvereinten Kräften eine Stätte bereiten zu wollen scheinen.

Gelänge es den beiden Staatsmännern, diesen Steindes Anstoßes definitiv aus dem Wege zu schaffen, so wärevon ihrer jetzt so sehr erleichterten Verbindung, der sich