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helfen können, wahrlich es wäre so weit nicht gekommen!Denn was ist nicht alles versucht worden seit zwei Jahren!Aber eine Partei, die bei den wichtigsten Abstimmungen imReichstag und Landtag sich selbst aus der Welt schafft, in-dem sie die gleiche Anzahl Nein der gleichen Anzahl Jagegenüberstellt, ist ein Unding; und wenn auch Lächerlich-keit in der Welt weniger totlich wirkt, als man gemeinhinannimmt, der Komik solcher Abstimmungen hätte auf dieLänge Niemand widerstehen können.
Darnm sollte auf allen Seiten diese Krise als einheilsamer Gesunduugsprozeß für unser öffentliches Lebenbegrüßt werden, besonders aber von Denen, welche unterFührung des Herrn von Bennigsen als Stamm der altenPartei und als die größere Zahl zurückgeblieben sind.
Wenn im Einverständnis mit dem Kanzler noch etwaszu retten ist von den Institutionen, welche aus der gemein-samen Arbeit der einst so großen und einigen Partei her-vorgegangen sind, von den Hoffnungen, die alle ihre Mit-glieder beseelte, so fällt diese Nettuugsarbeit jetzt den umBennigsen Gescharten ausschließlich zu. Der ungetrenntenFraktion konnte es auf diesem Wege des Eiuverständissesnicht mehr gelingen. Das Vertrauen war zu sehr erschüttertvon beiden Seiten. Der Gärungsstoff, welchen die letztenzwei Jahre erzengt hatten, war nicht mehr zu neutralisieren.Seitdem der Kanzler sich dem äußersten Flügel der Rechtenund selbst dem Zentrum zugewandt und beiden freie Bahngemacht hat, die Gesetzgebung nnd Verfassung des Reichsweit weit nach rückwärts zu revidieren, ist das Verhältniszwischen dem leitenden Staatsmann und einem Teil seinerfrüheren, nnd wir setzen hinzu, seiuer wärmsten Anhängerzerstört. Uud so lange dieser Teil zugleich eiu integrieren-der Teil der natwnalliberalen Partei war, mußte die gegen-seitige Verstimmung immer weiter Wirten. Die Miß-