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haben, weil eine unwiderstehliche Gewalt die einst verbun-denen Atome auseinander trieb. Von Denen, welche dieserNotwendigkeit endlich Gehör gaben, hat jeder Einzelne jahre-lang mit sich selbst und mit Anderen gekämpft, um das Un-vermeidliche zu vermeiden. Wenn danach ein Bruch sichdennoch vollzieht, so gilt es einzugestehen, daß die Naturder Dinge stärker war als menschlicher Wille. Und darumist auch nur heilsame Wirkung von dieser naturgemäßenLösung zu erwarten, heilsame für alle Beteiligte, rechtswie liuks, Regierte und Negierende. So auch wird es sichergebe», vorausgesetzt überhaupt, daß es in nächster Zeitgelingen kann, einen Ausweg zu finden für die so weitzurückgekommenen und tief verfahrenen inneren Angelegen-heiten des Reichs.
Aber freilich! Wenn Peter sich von Paul wendet,weil Paul ihm nicht mehr liberal genug ist. so wird Paulvor allem empfindlich, findet Peters Verfahren hochmütigund verletzend und ist empört. Denn so wenig auch Frei-sinnigkeit Heuer in Mode ist, so will sich doch Keiner sagenlassen, daß es ihm daran gebreche; Keiner mag dem An-dern einen Vorrang darin einräumen.
Wie aber, wenn die Ausscheidenden garnicht den An-spruch auf tugendhaftere Gesinnung erheben, ihren Ent-schluß einzig und allein auf das Recht begründen, nachihrer Fac-on selig oder, kann's nicht anders sein, auch un-selig zu werden? Die Verschiedenheit der ganzen Auf-fassung der Lage allein ist der wahre, gute, unwiderleglicheGrund der Treuuung, und kein noch so sinnreicher Ver-band kann den Riß wieder schließen.
Als ob es Verabredungen, Programme, guteu Willengäbe, die gegeu thatsächliche Grundverschiedeuheit des poli-tischen Temperaments und der Denkweise aufzukommen ver-möchten! Wenn gute Worte und fromme Wünsche hätten