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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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gewaltig eingreifenden Werkzeuge ist ja Vorsicht geboten,denn mit ihrer größeren Wirksamkeit Pflegt größere Gefähr-lichkeit untrennbar verbunden zu sein. Aber im Augenblickentscheidenden Handelns tritt eben die Vorsicht zurück hinterden Drang der That, welche nicht zweien Herren dienen kann.

Es war nicht nur verzeihlich, es war jeder Berechnungnach sogar unerläßlich, alle Hebel anzusetzen, um einen ge-wissen volkstümlichen Widerstand gegen die Politik des Jahres1866, namentlich in Süddentschland, zu brechen; und darumsinden wir auch gerade in Süddeutschland, wo von demGlanz des Namens Bismarck in diesem Kampf der aus-giebigste Gebrauch gemacht worden ist, als dauernde Nach-wirkung die Autorität des Namens am meisten befestigt.Nichts ist leichter zu fassen als ein Name; Gedanken uudBegriffe aber sind so leicht zu trüben und zu verwirren,daß sie stets Gefahr laufen zu unterliegen, wenn ihnenein bewährter Name entgegentritt. Es bedarf erst langer,schwerer Erfahrungen und Enttäuschungen, bis der allmählichweichende Nimbus der Unbefangenheit Platz macht, welchedie Sachen selbst zu ihrem Rechte kommen läßt.

Aber wie dem anch sei, man kann der Fortschrittsparteidie Genugtuung nicht versagen, daß die von Anbeginn anbeobachtete Vorsicht ihr die Bahn frei' erhalten hat für dieAufgaben des heutigen Tages. Hier ist an den National-liberalen die Reihe, einzugestehen, daß sie einer Illusiongedient haben, die ihnen jetzt Schwierigkeiten im eigenenLager bereitet, der Illusion nämlich, daß ihnen nie wiederder Name Bismarck an der Spitze derjenigen gegenübertretenkönne, zu deren Bekämpfung Bismarck einst ihre ganzeUnterstützung aufgeboten hatte.

Wägen wir die Dinge so von beiden Seiten ab, sostellt sich ohne Zwang der Gedanke ein, daß schließlich jededer beiden liberalen Schattierungen ihre besondere Aufgabe