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daher auch die Zustände der Vergangenheit als sein Idealansehen und unter dem Mantel ehrwürdiger und züchtigerEinrichtungen das Prinzip der Ausschließung wieder insLeben zu rufen bemüht sein. Zunft- und Bannrechte, überwelche die Bildung und die Thätigkeit der Zeit weit hin-ansgeeilt sind, werden dann wieder hervorgesucht, und dieGewerbetreibenden, welche im hergebrachten Schlendrianeinrosten, werden in romantischer Sprache als die biederenEhrenmänner der guten alten Zeit gefeiert. Solchergestaltführen alle Pfade der wirtschaftlichen Unfreiheit nach ab-wärts und nach rückwärts zugleich, und man sucht bei denvielgerühmten Steuer- und Wirtschaftsreformern vergeblichnach einem Gedanken, welcher nicht längst dagewesen undüberlebt wäre. Die Leistung wird verfehmt, das Hemmniswird gepriesen, und das Ideal der Gesamtbewegung wirdnach rückwärts in überwundene Zustände verlegt. DemFähigen, Strebsamen, Fruchtbaren wird der Weg versperrt,damit er stehen bleibe, bis der Unfähige, Träge, Unfrucht-bare nachkomme, das Niveau der Gesamtheit wird nach derHöhe des Wenigstleistenden reguliert. Statt einer Ordnungder Gesellschaft, in welcher die besseren Kräfte die geringerennach sich ziehen, wird eine Ordnung eingesetzt, in welcherdie geringere Kraft die bessere zurückhält und herabzieht.Um aber das Kulturwidrige eines solchen Treibens vor sichselbst zu beschönigen, setzt man auf die große Zwingburgder allgemeinen Verkümmerung noch den Giebelschmuck ein-zelner glänzender Begünstigungen. Weil der PrivatfleißAller verhindert wird, sich zu entfalten, werden Einzelne,wiederum Bevorzugte, dazu auserwählt, der Welt den Be-weis zn liefern, daß das System auch anspornend zu her-vorragender Thätigkeit erwecke. Und wenn schon der Anreizstark ist, sich mittelst Unterdrückung seiner Mitbewerber be-günstigen zu lassen, wie viel mehr erst lockt die.Aussicht