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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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der Notenpresse für diesen Fall schon parat. Von denRatschlägen, die bereits im Schwange sind, bis zu Assignatenund zum Maximum ist nur ein Schritt.

Die gauze Gedankenrichtung, welche man heute als diedes Staatssozialismus bezeichnet, ist keineswegs eine deutscheBesonderheit. Sie ist in allen Kulturländern zu großerMacht gelangt und übt allenthalben ihren Einfluß auf dieGesetzgebung aus. Man kann keine Politische oder ökonomischeZeitschrift Frankreichs, Englands oder Italiens aufschlagen,in der nicht diese Ideen, sei es, daß sie vertreten, sei es,daß sie verurteilt werdeu, zum Vorschein kämen. Wasdieselben in Deutschland Eigentümliches und Bedenklichesan sich habe», ist das konservative Gewand, in das sie sichhüllen. Von Zeit zu Zeit könnte es einem vorkommen, alswären die deutschen Konservativen, nachdem die Sozial-demokratie in Acht uud Bann gethan und damit eine über-legene Konkurrenz beseitigt worden, auf den Gedanken ge-raten, sich der für die Agitation so brauchbaren sozialistischen Werkzeuge allein zu bemächtigen.

Deutschland hat mit einer doppelten Gefahr zu rechnen,wo andere Länder nur vor einer stehen. Man drängt eszugleich in die Richtung auf gänzlich neue und auf gänzlichveraltete Zustände hin. Und die staatserhaltende Anstands-miene, mit welcher das alles geschieht, verfehlt nicht, ihreberuhigende Wirkung ans die Zuschauer auszuüben. Esist schon mehr als einmal darauf hingewiesen worden,welche Bedenklichkeit es gerade für eine konservative Politikhat, ihr Spiel auf diese Karte zu setzen. Doch ist es ihreSache, zu sehen, wie weit sie das treiben will. Die Liberalenaber, welche sie hinter sich herziehen möchte, haben wahrlichGrund, ihren Blick über die nächste Wegstrecke hinaus zuerheben und den Spruch zu beherzigen: Bedenke das Ende!