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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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wie in dieser Weise kein anderer Staat der Welt, und dieKräfte, welche durch Reizung der Klassengegensätze in Be-wegung gesetzt werden, brechen sich noch an dem festenBollwerk jener gewaltigen Institution, in welcher die sonstverspotteten allgemeinen Ideen als strenge Schule derKriegswissenschaft, als Methode, aufs innigste gepflegtwerden, in welcher die Idee der Hingebung des Einzelnenan das Ganze am lebendigsten verkörpert ist. Allein wenndie zerstörenden Einflüsse hier noch ferngehalten wordensind, so darf man sich einer zu großen Beruhigung uicht über-lasseu. Auch die sorgsamste Pflege reicht nicht aus für einePflanze, deren Wurzel Krankheitsstoffe aus dem Boden saugt.

Die Unzugänglichkeit der Armee für sozialistische Be-mühungen hing wesentlich zusammen mit der Unzngänglichkeitdes Landvolkes für diese Propaganda. Der Zustand mußsich von Gruud aus äudern, wenn das Stichwort ausgeteiltwird, der Landbewohner müsse systematisch mit seinem Loosunzufrieden geinacht, zur Rückforderung seiner natürlichenRechte aufgestachelt werden. Die agrarische Bewegung,seitdem sie sich bemüht, den kleinen Mann für ihre In-teressen ins Feuer zu schicken, hat für die Gefährdung derGesellschaft durch sozialistische Propaganda mehr gethan, alsalle sozialdemotratischeu Vereine Hütten thun können. Esist gar uicht zu verwundern, wenn in einem so durchwühltenStaate das Drängen nach sozialistischen Experimenten immerunwiderstehlicher wird, uud für den ersten Schritt ins Chavslassen sich die ökonomischen Etappen schon bezeichnen. Sollendie Finanzen eines stets bis an die Zähne gerüsteten Militär-staates auch die Verantwortlichkeit für eine kolossale Staats-industrie uud schließlich für die Einlösung der weittragendstensozialen Versprechungen auf sich nehmen, so kann bei demersten Versagen der Glücksguust eine Katastrophe eintreten.Allerdings haben die wirtschaftlichen Quacksalber das Rezept