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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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seinen Fachgenossen Bericht erstattet über alle Künste, Mühenund Kosten, die er ausgewendet hat, um sich und seinenVerbündeten die Vorteile eiues sehr erheblichen Zollsatzeszu sichern, liefert einen unschätzbaren Beitrag zur Charakte-ristik des Zeitgeistes, welcher uicht bloß in den wirtschaft-lichen, sondern in den gesamten politischen Angelegen-heiten jetzt in Deutschland zur Herrschaft gelangt ist.Natürlich war dieses Schriftstück nicht bestimmt, dem pro-fanen, draußen stehenden Publikum unter die Augen zukommen. Aber gerade darum liefert es das treue Muster-bild einer ganzen Reihe ähnlicher Ergießungen, welche inden Aktenschränken zollbeglückter Jndustrieherren und Aktien-gesellschaften ruhen mögen. Dank dem Umstände, daß dergewandte Verfasser nur zu dem Kreise nächstverbüudeterEingeweihten zu sprechen vermeinte, hat er hier mit fröh-licher Offenheit gezeigt, wie es eine Klasse von Verkäufernanzufangen hat, wenn sie es dahin bringen will, das Publi-kum durch das Zollgesetz zu zwingen, ihnen ihre Warenüber Wert zu bezahlen. Denn wer für seine Ware nurdeu Preis erzielen will, den sie an sich wert ist, brauchtnicht erst die Hilfe der Zollgesetze anzurufen. Ein durchdie Macht des Gesetzes erzwungener, den Käufer brand-schatzender Preisaufschlag das ist der Grundgedanke desganzen Schutzzollwesens.

Der Verfasser, dem es offenbar wohl gefiel, seine eigeneFindigkeit und Betriebsamkeit vor seinen Kollegen heraus-zustreichen, und dem man es nicht verdenken kann, wenn ermit Befriedigung auf seine praktisch bewährte Menschen-kenntnis zurückblickt, hat uns dadurch in alle Winkelzügeund Hintertreppenwege, so zu einer schlau durchzuführendenZollintrigue gehören, eingeweiht; und wenn einmal spätereGeschichtsschreiber ein Sittenbild des deutschen Staatslebensgegenwärtiger Zeitläufte geben wollen, werden sie in dieser