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Urkunde unerschöpflichen Stoff finden zur Würdigung derSorte vou Moral und Intelligenz, welche unter einer alsüberaus glorreich gepriesenen Politik in unserem BürgertumEingang gefunden hatten. Vielleicht aber ist zu hoffen,daß noch mehr der Mitwelt als der Zukunft ein wertvollerDienst durch diese Wiederveröffentlichung geleistet werde.Denn sie braucht nur zu wollen, um aus der genauenSchilderung solcher lebendigen Vorgänge ein treues Spiegel-bild ihrer eigenen Entartung zu gewinnen, welches zuernstem Nachsinnen über die Zukunft auffordern muß.
Was aus diesen Zeilen spricht, trifft nicht bloß deneinzelnen Vorgang, der hier zur Wahrnehmung kommt.Bei einer ganzen Reihe anderer gesetzgeberischen Entschei-dungen dürfte sich dasselbe vor sechs Jahren zugetragenhaben, wie sich ähnliches in letzter Zeit vielfach wiederholtund in greller Weise bis zum letzten Augenblick der ebenabgeschlossenen Session hinein geltend gemacht hat. Waswissen wir nicht alles von den Triebfedern, die zur Er-höhung des Schieferzolles ins Werk gesetzt wurden? Waswäre vom Zoll der Cichorie, der Taschenuhren, der Horn-knöpfe, der Seidenwaren, von dem nur mit Mühe abge-schlagenen Zoll auf Nähfäden und Dungmittel zu berichten,wenn wir überall solchen Einblick hinter die Kulissen er-langten, wie bei jenem Korkzoll, zu schweigen von dem,was über den Holzzoll sich der Wald erzählt. Viel ein-facher wickelten sich allerdings die Sachen ab bei solchenZöllen, welche bestimmt sind, die Taschen hoher, selbst imReichstag sitzender Herren zu füllen, als da sind Besitzervon Strontiangruben oder Fabrikanten feuerfester Thon-waren. Diese konnten sich ihr Glück mit eigener Handschmieden, ohne erst viel Rechenschaft abzulegen.*)
Wie weit wir es in der Naivetät der Interessenvertretung bereitsgebracht haben, zeigt ein kleines Intermezzo, das bei dem Zoll auf ge-