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Sitzungen beizuwohnen, während die Generaldebatte (erste Lesung) über dieZolltarifvorlagc stattfand.
Nachdem ich diese Lorbereitungen und auch die notigen Anordnungenfür eine rasche Expedition der Petitionen, sobald solche fertig gestellt seinwürden, getroffen hatte, kehrte ich nach hier zurück und zwar ziemlichcntmntigt, da nicht einer derjenigen Herren, welche mirGehör geschenkt hatten, die mindeste Aussicht aus Er-füllung meiner Hoffnungen mir gemacht hatte.
Nach Empfang der Petitionen aus der Druckerei wurden dieselben vonmeiner Berliner Filiale sofort expediert, und es empfingen sowohl die Mit-glieder des Reichstages, wie diejenigen des Bundesrates je ein Exemplarunter frankiertem Kuvert. Von hier aus aber wendete ich mich an dasUüreau des Reichstages, meinem Briefe drei Exemplare für die Pctitions-Kommission beifügend, während ich zu gleicher Zeit ausführliche Schreibenan die Rcichstagsabgcordnetcn Or. Sommer, von Werner, Graf vonGalen, Grütering, Dr. Groß, Bode, Bruel, Mosle, von Waldow-Reitzen-stcin, von Varnbülcr. Bcrger und vou Äardorfs richtete, denselben je einExemplar der an den Fürsten von Bismnrck gerichteten Petition übersandteund den zuerst genannten nenn Herren gegenüber darauf hinwies, daß inihren Wahlkreisen die Korkindustrie heimisch sei.
Der RcichStagsabgcordnctc meines Wahlkreises ist der der national-liberalen Partei angehörende Dr. Sommer. Derselbe kannte mich persön-lich, nahm mich sehr freundlich auf, versprach auch in seiner Eigenschaftals Mitglied der Petitionskommission zu unseren Gunsten zu wirken, undging mir sonst an die Hand, lehnte es aber im Hinblick auf seinen srei-händlcrischen Standpunkt ab, deu von mir gewünschten Antrag auf Ab-änderung der Position Nr. 13 der Zolltarifvorlagc im Reichstage zu stelle»,uud ich sah mich deshalb genötigt, mich an dsn der Zentrumsfraktion an-gehörenden Grafen von Galen mit diesem Ersuchen zu wenden, welcherHerr Delmenhorst nnd somit denjenigen Bezirk Deutschlands im Reichs-tage vertritt, in welchem die Äorkindustrie zur Zeit die größte Ausdehnungbesitzt. Bei diesem Herrn nun fand ich volles Entgegenkommen und dieAnerkennung der Berechtigung unserer Forderungen, welche sich dadurchkundgab, daß derselbe deu von mir gewünschten Abändcrungsantrag imReichstage alsbald einzubringen versprach.
Am 18. Mai d. I. trat ich meine zweite Reise nach Berlin an, um, meine persönliche Agitation fortzusetzen und der eben be-gonnenen zweiten Lesung der Zolltariffrage beizuwohnen.
Bei meinem Eintritt in den Reichstag überreichte mir der Herr Graf