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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
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von Galen zu meiner großen Freude seinen bereits gedruckten und soebenzur Verteilung gelangten Antrag, welcher die Nr. 189 tragt und von2t) Reichstagsabgeorducten unterstützt ist, welche ohne Ausnahme demZentrum angehören.

Ich wohnte von da ab allen Reichstagssitzungen bis inkl. 29. Maibei, hielt mich abwechselnd auf den Tribünen und im Foyer des Hausesauf, zumeist an letztcrem Orte, um täglich neue Bekanntschaften anzuknüpfenund die schon gemachten zn pflegen, was immerhin seine Schwierigkeitenhatte, da die Herren Abgeordneten von tausendcn Petitionen ähnlichder unserigen überschüttet, durch eine lange Session und aufreibendeArbeiten ermattet waren, tagtäglich auch von vielen Industriellen, welchefür ihre Branchen gleiche Vorteile wie ich suchten, sei es, daß dieselben ineiner Erhöhung der von der Negierung proponierten Zollsätze, sei es, daßsie in einer Verminderung der Sätze bestanden, im Reichstage heimgesuchtwurden.

Es hielt auch schwer, zu erfahren, welcher von den Rcgicrungs-kommissaren die Position Nr. 13 im Namen der verbündeten Regierungenim Reichstage vertreten werde, kein Abgeordneter war in der Lage, mir dasmitzuteilen, an die freihändlcrisch gesinnten Vertreter der Negierungen vonOldenburg und Weimar mochte ich mich nicht wenden und so klopfte ichan mehrere falsche Thüren an, ehe ich herausfand, daß der bäurischeMnisterialrat Dr. von Mayr derjenige war, welchen ich suchte.

Diesen Herrn nun habe ich in seinem Hotel und imReichstage vielfach aufgesucht, um ihm meine Vorstellungen zumachen und meine Wünsche vorzutragen, und ich kaun die Liebenswürdig-keit dieses in damaliger Zeit von Arbeiten überhäuften Beamten nicht genugloben, mit welcher derselbe mir stets entgegengekommen ist, wie ich andieser Stelle überhaupt konstatieren muß, daß ich fast erstaunt war überdie Liebenswürdigkeit, welcher ich bei alle» Herren, mit denen ich in Be-rührung gekommen darunter die ersten Beamten des Reiches und diebesten Köpfe Deutschlands , begegnet bin und wie ungeheuer vorteilhaftalle diese Männer abstehen von jenen Beamten, denen man in kleinenVerhältnissen täglich begegnet und bei denen es oft schwer fällt, heraus-zufinden, ob die Aufgeblasenheit oder die Beschränktheit den dominierendenPlatz bei ihnen behauptet.

Die Position Nr. 13 stand schon am 20. Mai auf der Tagesordnungund von da an täglich bis zum 29. Mai, an welchem Tage der Reichstag endlich an deren Beratung gelangte. Der vom Grafen von Galen zu Po«sition 13a gestellte Antrag, nach welchem beiKorkholz" der Zusatz -auchin Scheiben und Platten" gestrichen werden sollte, wurde von einer ge-