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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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ringen Mehrheit abgelehnt, was an sich ohne Belang blieb, immerhin aberein ungünstiges Prognostikon stellte. Die Beratung gedieh bis zu Nr. 13b,hier brachen die Arbeiten ab, der Reichstag trat in die Pfingstferien ein,er vertagte sich bis zum 9. Juni und ich, der ich in atemloser Spannungden letzten Verhandlungen gefolgt war, mußte unverrichteter Dinge heim-kehren.

Am 9. Juni bei Wiederaufnahme der Sitzungen be-fand ich mich wieder auf meinem Platz und setzte meinepersönlichen Agitationen fort. Vor Pfingsten schon waren zweiPetitionen deutscher Korkhändlcr und Konsumenten an den Reichstag ge-langt, von welchen ich Abschriften zu den Akten gegeben und auf welcheich eine an den Grafen von Galen adressierte ausführliche Erwiderungschrieb, wie ich diesen Herrn überhaupt mündlich undschriftlich fortwährend mit Instruktionen versah. Zugleicher Zeit richtete ich ein längeres Schreiben an den MinisterialratDr. von Mayr, in welchem ich alle die von diesem Herrn gemachten Ein-wendungen zu widerlegen suchte.

Obgleich nun die Beratung der Position Nr. 13 schon am 9. Juniund an allen folgenden Tagen auf der Tagesordnung stand, gelangte derReichstag doch erst am 16. Juni zur Fortsetzung seiner Beratung derZolltarisvorlagc. Position Nr. 13 k kam endlich an die Reihe. DerGraf von Galen , welcher zu diesem Absatz den Antrag gestellt hatte,daß nach den Wortengrobe Korkwaren" zur näheren Bezeichnung inKlammern hinzugefügt werden sollte:Streifen, Würfel und Rinden-spunde", motivierte seinen Antrag kurz, indem er hervorhob, daß es sichhierbei lediglich um eine redaktionelle Änderung handle, und eine ausführ-lichere Motivierung für Nr. 13x sich vorbehielt. Der Abg. Sonne -mann, zweifellos einer Aufforderung der gegnerischen Petenten folgend,bekämpfte den Galenschen Antrag heftig, brachte dabei Alles dasjenige vor,was unsere Gegner in ihren Petitionen gesagt hatten, schilderte, wie not-wendig für Wcinhändler und Mineralwasscrgcschäfte der leichte Bezug kata-lanischer Korke sei, wie selbst die dem preußischen Staate gehörendenBrunnen von Eins, Schwalbach und Vayhingen u. s. w. ihren ganzen Be-darf im Auslande decken müßten und -das katalanische Fabrikat nicht ent-behren könnten, und verstieg sich endlich zu der Behauptung, daß diedeutsche Korkindustrie ohne jeglichen Schutz zu solcher Blüte gelangt sei,daß ihre Verlegenheiten einer Überproduktion zuzuschreiben seien, und daßder Galcnsche Antrag diesen Industriezweig nur schutzzöllnerisch beglückenwolle. Die Debatte wurde hierauf geschlossen, der Antrag Galen kamzur Abstimmung und wurde vom Reichstage abgelehnt. So-