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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
154
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weit ich von mcincm Platze auf der Tribüne des Bundesrats diesenraschen Vorgang übersehen konnte, stimmten Zentrum und deutsche Reichs-partei, sowie einige Schutzzollner auf beiden Seiten des Hauses, und zwaralle diejenigen, mit denen ich gesprochen hatte, für, alleÜbrigen aber gegen den Antrag, an dessen Fall in erster Reihe dieDeutsch -Konservativen die Schuld trugen, welche späterhin die Artihrer Abstimmung mit der Erklärung, daß sie nicht orientiert ge-wesen wären, bei mir entschuldigt haben.

Die Sitzung endete, nachdem der Absatz k im Sinne der Regierungs-vorlage angenommen worden war, und fand ihre Fortsetzung am 17. Juni,an welchem Tage über den vom Grafen von Galen zu Nr. I3x gestelltenAntrag, nach welchem hinter den Worten:feine Korbflechtcrwaren" ein-geschaltet werden sollte:Korkstopfer, Korksohlen, Korkschnitzcreien", ver-handelt wurde. Vor Beginu der Sitzung suchte ich den Herrn Ministcrial-rat Dr. von Maur auf, welcher Tags zuvor dem Galcnschcn Antrag eben-falls widersprochen hatte, um M zu bitten, daß er von einer weiterenOpposition absehen möchte. Herr Dr. von Maur antwortete mir wörtlich:Sie wissen, daß es meine Pflicht ist, die Rcgieruugs-Vo rlage im Allgemeinen dem Reichstage gegenüber zuvertreten, Sie wissen aber auch zur Genüge, daß ich michgern überstimmen lasse und daß die Regierung den vonIhnen angestrebten höheren Zollsatz mit Vergnügen ak-zeptieren wird."

Graf von Galen motivierte seinen zu Nr. 13x gestellten Antrag inlängerer Rede, widerlegte alles dasjenige, was der Abg. Sonnemann Tagsvorher gesagt hatte, geißelte die traurige Thatsache, daß die preußische Re-gierung ihren bedeutenden Bedarf an Korkstopfcn ohne zwingende Veran-lassung jseit Jahren von einer französischen Firma beziehe, nnd erwähntealles dasjenige, was er zu Gunsten unserer Industrie sagen konnte. Eswürde zu weit führe», wenn ich die Gnlenschc Rede wörtlich wiedergebenwollte, ich beziehe mich diescrhalb auf das zu den Akten gegebene steno-graphische Protokoll über die 61. Sitzung des Reichstags vom 17. Juni d. I.

Nachdem der Regieruugskommissär Or> von Maur, wenn auch inwohlwollender Weise, den Antrag Galen bekämpft und dessenVerwerfung als eine notwendige Konsequenz der am vorhergegangenen Tageerfolgten Ablehnung der zu Nr. 13k beantragten Änderung bezeichnet hatte,fiel auch dieser letzte Teil des Galcnschcn Gcsamt-antrages und damit mcinc Hoffnung auf den Gefrier-punkt. Bei der Abstimmung zeigten sich dieselben Verhältnisse wie Tagsund leider spielte dabei der Zufall eine größere Rolle, als dieses sein dürfte.