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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Umgestaltungen in der großen Gesamtheit von Produktionund Verkehr. Diese Dinge sind in den letzten Jahren sooft besprochen worden, daß es überflüssig ist, hier ausführ-licher auf sie zurückzukommen. Und wenn es schon soschwer ist, die Dauer einer gewöhnlichen Krise voraus-zubestimmen, so stehen wir einer ganz anderen und größerenAufgabe gegenüber, da, wo es sich darum handelt, eine neueWendung zu erkennen in der gegenwärtigen Lage, die aller-dings zwar auch aus Elementen einer Krise, jedoch über-wiegend aus Elementen einer welthistorischen Umbildungdes gesamten Kulturapparates zusammengesetzt ist.

Wenn heute mit Wohlgefallen eine Preisbewegung nachoben verzeichnet wird, so ist einzuräumen, daß diese auf-steigende Bewegung als Symptom allerdings erfreulich ist,weil sie beweist, daß die Nachfrage, die Konsumfähigkeit,die Lebenslust und Lebenskraft im Verhältnis zu den vor-handenen Vorräten gewachsen sind. Höhere Preise aber ansich sind keine Wohlthat. Das ist eben der Unterschiedzwischen Verstand uud Unverstand in wirtschaftlichem Urteil.Weil steigende Preise unter gewissen Umstünden ein Zeichender Besserung der allgemeinen Verhältnisse sind, glaubt derUnverstand, durch Zölle und Zünfte die Preise steigern zusollen, um besfere Verhältnisse zu erzeugen. Die richtigeAuffassung sieht das Gedeihen in dem Gleichgewicht einerstetig wachsenden Produktions- und Konsumtionsfühigkeit,bei welcher die Produktion stets dahinterher ist, wohlfeilerzu erzeugen uud damit den Kreis der Konsumtiousfähigkeitauszudehnen. Wenn wir endlich wieder in eine gesundeund aufsteigende Bewegung hineingelangen sollten, so wäresie das Ergebnis der unwiderstehlich weiter arbeitendenKulturentwicklung, der es gelungen wäre, trotz aller künstlichenTeueruugspolitik so wohlfeil zu produzieren, daß die Auf-nahmefähigkeit der Welt wieder die Uberhand gewonnen hätte.