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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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über mit einer Aufrichtigkeit verfahren, für die wir heute zuartig geworden sind. Als Benjamin Constant in einer Redegegen die Zölle von den Anhängern derselben in der auchuns bekannten Weise mit fortwährendem Geräusch übertöntund unterbrochen wurde, rief er ihnen von der Reduerbühneherab zu:Die überschäumende Manier, mich jeden Augen-blick zu unterbrechen, die sich der Grundbesitzer bemächtigthat, verhindert mich an weiterer Auseinandersetzung. Ichbegnüge mich deshalb damit, Ihnen zu sagen, daß es be-klagenswert ist mitanznsehen, wie Sie sich bemüheu, dieNahrungsmittel zu verteuern, die auf Ihren eigenen Lände-reien wachsen und in Ihren eigenen Speichern angesammeltsind". Natürlich ward auch damals schon das berühmteLied gesungen: Hat der Bauer Geld, hats die ganze Welt.Charles Dupin führte im Jahre 1831 die Theorie aus,daß der Arbeiter sich bei hohem Getreidepreise besser stehe,weil er dadurch höhereu Lohn erhalte, uud eiu andererRedner sprach mit derselben Verachtung, deren Zeugen auchwir gewesen sind, von dem Irrtum, daß billige Nahrungs-mittel etwas Gutes seieu. Ja ein sonderbares Natnrspielwollte, daß die krassen Schutzzölle ihre Entstehung einerLegislatur verdankten, die auf ein politisches Attentat -die Ermordung des Herzogs von Berry (1820) folgte,wie dies bei uns 1878 nach dem Attentat Nobiliug geschah.

Natürlich durfte die Viehzucht hinter dem Ackerbannicht zurückstehen. Es wurden auch damals schon schwer zukontrollierende Berechnuugeu darüber aufgestellt, wie hochsich die Gestehungskosten eines jeden Ochsen beliefen, unddaraus gefolgert, daß nur mit eiuem Schutz von fünfzigFranken das Stück die Aufzucht noch möglich sei. Es wardie Zeit, da Marschall Bugeaud das berühmte geflügelteWort sprach: lieber als die Herden der ungarischen Ochsenwürde er die Heere Rußlands und Österreichs in Frank-

Ludwig Bambergers Ges. Schriften. V. 12