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weiterlebten, bis einige Zeit nach Errichtung des neuenDeutschen Reichs allmählich der Geist von Krähwinkel wiedermit neuer Macht seinen siegreichen Flug über die Welt zunehmen begann und die Weisheit jener französischen Vor-läufer der heutigen Wirtschaftsreform auch bei dem Volkder Denker zu den höchsten Ehren brachte. So oft man dievergilbten Blätter jener Annalen aufschlägt, erstaunt manimmer von neuem, darin den leibhaftigen Doppelgängernder Gestalten zu begegnen, die sich im Vordergrund unsererneuesten Geschichte bewegen.
Heute treten sie auf als die Ankläger des Weizens, der,aus Indien und Amerika kommend, Europa mit seinem Un-segen überschwemmt. Damals war es der Weizen von Süd-rußland, der, aus Odessa nach Marseille einlaufend, ihreVerwünschungen auf sich lenkte. Im Jahre 1817 hatte eineHungersnot ihn herbeigezogen, aber kaum war das drin-gendste Bedürfnis befriedigt, so erhob die agrarische Kasfan-dra — noch im selbigen Jahr — ihre Warnungsstimmevor dem Untergang, der dem heimischen Ackerban drohe.So wurden die ersten Kornzölle beschlossen. Und, genauwie bei uns, wurde die Absicht der Preissteigerung nichterreicht, weil alsbald der Segen dreier guter Ernten dievolksbeglückenden Absichten der Brotverteuerer zu nichte ge-macht hatte. Weshalb im Jahre 1821 ein neuer Ansturmmit dem Verlangen nach abermaliger Erhöhung der imJahre 1819 beschlossenen Zölle unternommen ward.
Und wieder genau wie heute gab es auch schon dazu-mal heroische Gestalten, welche» Blödigkeit in der Formu-lierung ihrer Wünsche nicht vorzuwerfen war. Eine vonvielen Abgeordneten unterzeichnete Eingabe sprach sich rundheraus und in klaren Worten dahin aus, daß „jegliche Ein-fuhr fremder Körnerfrüchte streng verboten werden sollte".Freilich konnte man noch damals diesen Anmaßungen gegen-