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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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aus Jahr ein den Kopf, wie sie das vernichten kann, wasder Geist des Menschen zur Verbesserung des Daseins zuTage fördert. Ja. nicht bloß was der Geist des Menschen,nein, auch was sie selbst, die Gesetzgebung, mit der einenHand fördert, sucht sie mit der anderen zu untergraben.Während sie bestrebt ist, den ganzen Apparat der mensch-lichen Bildung und menschlichen Arbeit zu verbessern, umden Wohlstand der Menschen zu vermehren, d. h. die Ar-beit zu befruchten, fährt sie, sowie eine Arbeit der anderenvoran eilt, sowie ein Erzeugnis reichlicher fließt, dazwischennnd rnft dem einen zu: du sollst nicht arbeiten, demanderen: du sollst nicht essen.

Zwei Seelen wohnen auch in ihrer Brust. Die einelebt der Vergangenheit, die andere der Gegenwart. Undstatt den Weg von der Vergangenheit in die Gegenwarthin überzuleiten und zu erleichtern, türmt der Gesetzgeberfortwährend nene Hindernisse ans die Wege, die er mit allererdenklichen Anstrengung bahnen sieht und selber bahnt.Aus diesem widersinnigen Kampfe, aus dieser stets gestei-gerten Reibung im Schoß der Nationen und von Volk zuVolk entspringen die Übel, die man zu kurieren sucht, indemman sie unablässig mehrt. Der Patient braucht Luft undBlut. Man sperrt ihn immer mehr ab und entzieht immermehr Blut. So machteu es die Doktoren ehemals auch.Zwar die Menschheit hat die medizinische Schule der ver-pesteten Krankenstube und des unbarmherzigen Aderlassensüberlebt. Aber Opfer ohne Zahl sind ihr gefallen, und daßauch dieser Wahn einmal weichen wird ist kein Trost dafür,daß er einstweilen noch wütet mit wachsender Lnst undMacht.