geordneten selbst etwas von dieser Feinfühligkeit! Und wiebezeichnend, daß diese ihres Mandats würdige Stellung imGefolge des verstorbenen ersten Kaisers auch beim besten,mächtigsten Willen nicht zu finden ist. In jedem anderen,mit einer verfassungsmäßigen Vertretung ausgestattetenLande wäre sie von selbst gefunden, ohne Mühe, ohne Kopf-zerbrechen und ohne Widerstand.
Achtung und Ehre lassen sich nicht durch Bitten undnicht durch Beweisführung erwerben. Es erhält und be-hält jeder davon nur soviel, als er mit seiner Kraft durch-setzt. Zu dieser Kraft gehört aber auch das Bewußtseindes guten Rechtes, aus dem der Sinn für die eigene Würdeentspringt. Wie sehr es daran gebricht, konnte man geradein den ereignisschweren Tagen, die wir soeben durchlebthaben, beobachten.
Wir sind allerdings in Deutschland schon so daran ge-wöhnt, die Körperschaft der nationalen Vertretung eineuntergeordnete Rolle spielen zu sehen, daß vielleicht denWenigsten auffiel, wie sie auch bei dieser großen Gelegen-heit kaum über die hinterste Statistenrolle hinauskam. Eshat sich das von langer Hand vorbereitet. Früher lenkteder Reichstag noch manchmal in Gemeinsamkeit mit demFürsten Bismarck die gespannte Aufmerksamkeit auf seineSitzungen, wenn es zwischen dem Staatsmann und ein-zelnen Parteien einer starken Opposition zu heftige» De-batten kam, die unter Umständen zu sensationellen Auf-tritten führten. Seitdem das Zentrum teils durch kirch-liche Zugeständnisse befriedigt, teils durch agrarische gezügeltist, seitdem das Kartell die große Mehrheit zu einer nieversagenden Maschine gemacht hat, braucht sich der Fürsteigentlich nicht mehr um die Verhandlungen zu kümmern.Er kann, einerlei ob in Friedrichsruh, Varzin oder in derWilhelmstraße, ruhig seinen amtlichen Beschäftigungen zu