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Ein Mal nvch in dieser Session war vor diesen Trauer-tagen der Kanzler im Reichstage erschienen, aber auch dageschah es nicht, um zu diesem, sondern nur um zu Europa zn reden. Es war bei Gelegenheit der großen Anspracheüber Krieg und Frieden am 6. Febrnar 1888. Fürst Bis-marck sprach zu Rußland, zu Frankreich, zu Italien undzu Österreich. Der Reichstag hatte lediglich die Bestimmung,als Resonnanzboden zn dienen. Als der Redner geendethatte, erhoben sich nacheinander die Hänpter der Parteienund gaben in kürzester Fassung die Erklärung ab, das;Alles bewilligt werde, was die Regierung verlange. Eswäre ebenso gewiß geschehen ohne die Rede. Die fünf Führer,welche das Wort nahmen, lieferten zusammen noch keineSpalte zu der ganzen Wiedergabe der langen Sitzung. Esist ja hergebracht und erklärlich, daß der deutsche Reichstagim Gegensatz zu deu Parlamenten der ganzen übrigen Weltbei den Verhandlungen über auswärtige Politik nur diepassive Assistenz Prästiert. Aber es ist bezeichnend, daßauch in diesem Falle, wo nicht Entsagung zum Schweigennötigte, sondern thatsächlich volle Übereinstimmung zuGrunde lag, die Form so dürftig ausfiel. Und dennochwar hier die Form immerhin noch ausgiebiger hervor-getreten, als jüngst in den beiden feierlichen Sitzungen, indenen der Thronwechsel auf der Tagesordnung stand. Danahm beide Male, nachdem Fürst Bismarck gesprochen, keinParteiführer anch nur zu kurzer Znstimmnng das Wort.Lediglich der Präsident schloß sich mit dem schlechthin Un-vermeidlichen an. Die ganze große, die Nation verkörperndeVersammlung blieb in diesen, Deutschland nnd die Weltso tief ergreifenden Stunden jeden Wiederklang an die weihe-vollen nnd wohldurchdachten Ansprachen des Kanzlersschuldig. Die Volksvertretung verschwand auch hier ent-sagend, nichts sagend vor dem leitenden Staatsmann. Er