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nationalen Drang zum Verbündeten zn machen, um Diver-sionen zu schaffen. Die Unterstützung der irischen Rebellion,sogar in wohl ausgerüsteten Expeditionen, wie die Einsetzungder vielnamigen italienischen Republiken sind schlagende Bei-spiele. Das mit der Besiegung der Koalition gesteigerteSelbstgefühl entflammte den nationalen Stolz der Franzosen und reizte die andern Völker zur Reaktion. Das Wort vonder Arancls Ration stammt aus dieser Zeit.
Doch der wahrhast ausschlaggebende Anstoß kam vomKaiserreich. Der Versuch der absoluten Weltmonarchie wares, welcher den Geist der Nationalität in seiner heutigenBedeutung gegen sich heraufbeschwor. Das ist der Sinndessen, was Colletta ins Jahr 1813 verlegt.
Von nun an kommt es nicht mehr zur Ruhe. Aus derbloßen Auflehnung und Verteidigung eutwickelt sich derDrang zur Staatenbildung auf nationaler Grundlage, baldzur Wiederherstellung alter, bald zur Aufrichtung neuerStaaten. Griechenland und Polen wurden die Herde, andenen sich das heilige Feuer der Begeisterung entzündeteund über die ganze gebildete Welt hin die besten der Mit-lebenden fortriß. Heute ist es iu Deutschland Mode ge-worden, sich über jene Polenschwärmerei lustig zu machen,und jeder nationale Spießbürger fühlt sich einen großenStaatsmann, wenn er darin berühmten Mustern nachthut.Man braucht freilich dazu nicht viel, nur ein kurzes Ge-dächtnis, nämlich man muß vergessen, daß der nationaleDrang, aus dem das Deutsche Reich erstanden ist, seine ersteNahrung und Erziehung aus dieser Begeisterung für Anderegesogen hat. So lange wirkte dieser ursprüngliche Anstoßweiter, daß, nachdem die am 5. März 1848 in Heidelberg versammelten einnndfünfzig „deutscheu Männer" (sie warenwohl ebenso gut deutsch wie die branntweinsteuerbegeistertenHeidelberger neuesten Stils) eine deutsche Nationalversamm-