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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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lung durchgesetzt hatten, das darauf berufene Vorparlamentsich gedrungen fühlte, seine»Abscheu über die TeilungPolens " auszusprechen. Erklären und soweit auch recht-fertigen läßt sich ja der heutige Umschlag, wie Alles. Aberwas in der hohen Staatskunst Benutzung der gemeinenTriebe der Andern ist (und das ist eins ihrer wirksamstenGeheimnisse), artet oft iu diesen Andern bis zur Gemein-heit aus. Die Deutschen haben in den zwanziger unddreißiger Jahren unserer Zeitrechnung ihre Polen - undgriechenfreundlichen Fürsten nnd Gelehrten gehabt, wieandere Länder; ihre Dichter ersten Ranges haben Pvlen-und Griecheulieder gesungen; und wenn die Staatsraisongegen das Polentum innerhalb ihrer eigenen Grenzen, demGesetze der Selbsterhaltuug gehorchend, unerbittlich seiumuß, sv kann jeder Tag Ereignisse bringen, welche sie be-wegen dürften, die Symvnthicen für das viel weniger legi-timierte Griechentum draußen zu entfalten. Mehr nochwie als daß Etwas geschieht, charakterisiert den jeweiligenGeist eines Regimentes und seines Anhangs. Die Huudert-millionen-Anleihe zur Germauisieruug polnischer Güter isteine theoretisch und moralisch unanfechtbare, wenn auchpraktisch höchst zweifelhafte Maßregel; die Ausweisungendagegen waren in ihrer harten und grausamen Durch-führung weder notwendig, noch gerecht, noch nützlich. DasSchlimmste jedoch war der rohe Übermut, mit dem einscheinbar nationales Hochgefühl sich dabei - über alle Be-denken des Anstands, des Rechts und der Humanität hinausdeklamierte. Es thut wohl, von der professoralen Brutali-tätsbegeisterung neuesten Stils zu der ehrlichen Prosa jenesRobert von Mohl zurückzukehren, der wahrlich kein schwäch-licher und kein unpraktischer, am allerwenigsten ein radikaler,aber allerdings noch ein humaner Gelehrter war. Mohlkann sich nicht zur Bewunderung aufschwingen fürden