Hohn, mit welchem der seiner eigenen Ansicht nach praktischePolitiker es kindisch findet, aus weinerlichem und in dieWolken gehendem Rechtsgefühle das in Anderen zu achten,"was er für sich selbst in Anspruch nimmt. Meint mannicht, der ehrwürdige Staatsrechtlehrer hätte die Reden ausder Polendebatte des Reichstages und das Gejohle der„nationalen" Presse voransgehört?
Ein Hinweis auf die Entstehung des Deutschen Reichshat gezeigt, wie wenig sich dasselbe auf das reine Natio-nalitätsprinzip berufen kaun. Ein Blick auf seine Grenzenverstärkt diese Überzeugung. Nicht bloß mnßte es diedeutsche Nationalität nach der österreichischen Seite hinentzweireißen, es mußte auch polnische, dänische, französischeElemente nach Osteu, Norden und Westen hin sich einver-leiben nnd für unwiderruflich eingeschlossen erklären. Nichteinseitige nationale Naturtriebe (die beiden Worte entspringenderselben Wurzel), sondern das Bedürfnis, die eigene Nationstaatlich nngemessen zu gestalten, haben hier das letzte Wortgesprochen, und es verdient Anerkennung, wenn Fürst Bis-marck bei verschiedenen Gelegenheiten sich dagegen verwahrthat, daß er Elsaß-Lothringen zur Befriedigung romantischerSehnsucht dem Reiche eingefügt hätte. Er hat sich auf diestaatlichen Selbsterhaltungsbedingungen berufen und nichtgeleuguet, was nicht zu leugnen ist, daß nämlich auch re-spektable Gefühle der Einverleibten verletzt werden mußten,vru-a, Isx ss6 Isx heißt es da. Es ist die alte „Staats-raison" in verjüngter Gestalt.
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III.
Die Hauptsache ist die, daß mit der Nationalitätallein praktische Politik sich überhaupt nicht treiben läßt.