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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
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247
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dcm Volksuaturell Zeit gegönnt, genug Festigkeit anzusetzen,um den Versuchungen der so leicht von Frankreich nachDeutschland übertragenen Schablonisierung ans angel-sächsischem Boden einen spröden und nachhaltigen Wider-stand entgegenzusetzen. In England treibt die Besorgnisvor dem Wachstum der demokratisch - sozialistischen Keimemanchen auserlesenen Geist in die Flucht zur Staatsall-macht gewissermaßen nach homöopathischer MethodeGleiches mit Gleichen? zu bekämpfen. Da das Anschwellender unteren Mächte unwiderstehlich erscheint, sollen sie aufden Wegen ihrer eigenen Logik in den Bann einer höherenMacht zurückgeführt werden.

Das soziale Königtum, wie es uns neuerer Zeit imProphetentou gepriesen wird, hatte eigentlich seinen finsterenEnthusiasten schon vor einem halben Jahrhundert in ThomasCarlyle gefunden, der in der That auch mit der Stimmeund Haltung eines Sehers und gottgesandten Strafpredigersdaher schritt. Aber selbst ein weicherer humanisierenderMann der neuesten Zeit, der kürzlich verstorbene MatthewArnold , ein viel gelesener nnd bewunderter Moralist undDichter, sühlt sich zu Idealen hingezogen, welche dem Geistedeo deutschen sozialaristvkratischen Jdeenkreises verwandtsind.*) Arnold ist aber so wenig wie Carlyle der Reprä-sentant weitverbreiteter Denkart. Beide sind Originale miteinem ausgesprochenen Geschmack fürs Absonderliche. Arnoldglaubt, um das charakteristische Wort wiederzugeben, das;der Mensch im Staat, in der Gesamtheit seinbesseresSelbst" mit der höchsten Autorität bekleidet wiederfinde; ermeint, die persönliche Freiheit führe zur Anarchie und be-ruft sich auf den alten logischen Kniff, das; die Freiheitsich nur negativ definieren lasse (eben just wie die Gesuud-

5) Matthew Arnold , (lulturs cmä iu> ossav i» i>uliti>'!>!

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