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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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daran denken, sich eine Sprache zn erlauben, gleich der,mit welcher Bradlaugh seinen erwähnten Artikel schließt:

Von dem Glauben ausgeheno, daß jeder etwaige Ver-such des Parlaments, die Arbeitsstunden vorzuschreiben, aufalle Zeiten für die besten Interessen der Arbeiter verhängnis-voll werden würde; befürchtend, daß viele Arbeiter nur znleicht bereit sind, sich von zwar überzeugten aber un-praktischen Enthusiasten uud von unruhigen Ausbeuternsozialer Beschwerden verleiten zu lassen; und gewahrend,daß bei einigen Wahlkümpfen jüngster Zeit Kandidaten ver-sprochen haben, für Maßregeln zu stimmen, welche alle frei-sinnigen Überliesernngen auf den Kopf stellen, werde ichmeine Stimme und Abstimmung im Parlament dahinrichten, zu verhindern, daß dem Geist des Selbstvertrauens,welcher die Masse unserer Bevölkerung zu einer den meisteneuropäischen Nationen überlegenen macht, in irgend einerWeise untergraben werde."

Eine solche Sprache wäre in Deutschland nicht bloßundenkbar aus dem Grunde, weil die Arbeiter von sozia-listischen Ideen beherrscht werden, sondern weil die Mehr-heit der Gebildeten und Besitzenden dem Verständnis solcherSprache entfremdet worden ist. Alle geistigen Bewegungengehen von oben nach unten, und diese Wahrheit leidet auchin unserer demokratischen Zeit keinen Abbruch. Es sindimmer die von der Last des Lebens sreien Köpfe, welche dieneuen Gedanken zuerst aus sich erzeugen, fortbilden und inunsichtbaren Samenverwehungen umherstrenen. Die Macht,welche der Staatssozialismus über Deutschlaud erlangt hat,ist von Leuten der geistigen Aristokratie der Nation aus-gegangen. Er hat seine Keime nicht bloß durch aristokratischfühlende Demagogen wie Marx und Lassalle in die Köpfeder Massen gepflanzt, sondern mich durch die Trägerhöherer und höchster Bildung, allerdings solcher, welche,