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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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unbeteiligt an der werbenden Arbeit der Gesellschaft, vomKatheder oder vom grünen Tisch herab mit Hochmut undGleichmut an ihr herum zu meistern und zu experimentierensich berufen glaubeu. Die jüngst bei dem Tode des sog.Kreuzzeitungs - Wagener, eines keineswegs unbedeutendenKopfes, wieder ans Licht gezogenen Spuren seiner sozia-listischen Einwirknngen aus den Lenker der deutscheu Ge-schicke haben deutlich gezeigt, wie nach zwei Jahrzehntenin der neuesten Sozialgesetzgebung jener Same ausge-gangen ist.

II.

Keiner Bewegung wird es leichter, von vben nachnnten durchzudringen, als einer, die sich anheischig macht,das Los der Massen zu verbessern; und nichts ist bezeich-nender für das Wesen der gegenwärtigen inneren Politikdes Reichs, als das Leitmotiv: sich der sozialistischen Be-wegung zu bemüchtigeu, indem man ans ihren Jdeengaugeinlenkt, zugleich aber mit eisernen Schranken der äußerenGewalt ihr die Grenze zieht, wie weit sie sich ins Lebenhereinwagen dürfe. Berglichen zu diesem Experiment warder Kampf gegen das Papsttum noch ein schüchteruesWagestück. Denn als Fürst Bismarck diesen Kampf begann,ergriff er die Fahne der Eiferer, die dem Geist des Ultra-montanismus selbst mit Gewalt zu Leibe zu gehen gemeintwaren, nicht ohne eigenes Mitempfinden, so weit bei ihmvon einem Mitspielen der Empfindung bei Handhabnng derTtaatsraisou die Rede sein kann. Es war daher auch nurganz konsequent, daß er von dem Moment an, da er zudem Entschluß kam, diesen Kamps aufzugeben, denselbenGegnern des Papsttums das Büuduis kündigte, nicht die

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