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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Freundschaft, denn bei ihrer Gelehrigkeit hatte er das nichtnötig. Mit dem Schiedsspruch in der Karolinenfrage prä-ludierend, wurde allmählich solche Geschmeidigkeit in der An-erkennung deS heiligen Stuhles entwickelt, daß der Inhaberdesselben im Jahre 1887 ausgeboten werden konnte, seinenzüchtigenden Arm über jene Gläubigen auszustrecken, welchesich nicht zu dem Glauben auch au das Heilsmittel desMilitärseptennats werkthätig bekennen wollten.

Unverwöhnt, wie wir sind, durften wir schvu einigeGenugthuung empfinden bei der Wahruehmuug, daß hierwenigstens die Logik einen Sieg erfocht. Es wnrde dochganz verbrannt, was vorher ganz angebetet, und ganz an-gebetet, was ganz verbrannt worden war. Aus einigenReden, welche der Kauzler im preußischen Herrenhansehielt, bleibt dem Leser der Eindruck, daß demselbeu dergauze Kulturkampf nachträglich wie eine Donquixoterie er-schien, die ihm durch untergeordnete Menschen aufgedrängtworden war.

Die entlassenen Verbündeten hatten zwar für dieseUmkehr nicht dieselben Begeisterungsstürme zu ihrer Ver-fügung, wie einst für dasNach Eanossa gehen wir nicht";es ist keine Standsäule im Tentobnrger Wald zum ewigenAndenken an den Schiedsspruch in der Karoliueusrage er-richtet worden, aber so mancher, der einst denKampf gegenRom " für die höchste Ehre uud Ausgabe des größtenMannes erklärt hatte, gab sich doch, von Grund ans be-kehrt, der stillen Bewunderung hiu über die Weisheit eiuerStaatskunst, die zu rechter Zeit immer den rechten Wegzu finden weiß. Und wo ein Weg ist, sindet sich anch einWort, könnte man mit Variieruug des bekannten Spruchessagen, und wo sich ein Wort sindet, siudeu sich auch Nach-beter.

Ganz anders liegen die Sachen bei der Sozialpolitik.

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