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Hier stoßen wir überall auf den Gegensatz zu Allem, wasfür Logik oder Konsequenz ausgegeben werden könnte. Wennbei der Umkehr im Kulturkampf nicht nur die Logik, son-dern noch eiu Besseres zum Durchbruch kam, uämlich dasGeständnis, daß mit äußeren Gewaltmitteln moralischenMächten auf die Länge nicht beizukommen ist, so wird imKampf gegen die sozialdemokratischen Bestrebungen mit dereinen Hand das sozialistische Programm in den Himmel er-hoben und mit der anderen gegen seine Anhänger dasSchwert gezückt. Auch hier handelt es sich um einen Kampfder Meinungen, nur mit dem Unterschied, daß nicht nurdieser Kampf in Permanenz, sondern die bekämpfte Meinungselbst für die richtige erklärt wird. Die staatliche Macht-fülle stellt sich die Aufgabe, denselben Geist mit allen Waffenzu bekämpfen, den sie in Worten bekennt und ins Lebeneinzuführen verheißt.
Vielleicht ist niemals in der Welt das Selbstvertrauender Regiernngsmaschinerie in ihre Überlegenheit über alleanderen treibenden Kräfte so kühn zur Schau gestellt wor-den, wie hier. Hier kommt zum Ausdruck, was — Allesin Eins zusammengefaßt — die Signatur dermaliger Um-wandlung in dem Wesen unseres öffentliche» Lebens aus-macht: der Ansturm der mechanischen Weltanschauung gegendie dynamische, die Herausforderung, mit welcher allengeistigen und moralischen Kräften eine allerdings dem Ver-stand, aber nicht der höheren Vernunft dienende, festge-gliederte staatliche Macht den Kamps anbietet. Das ist derKern des herrschenden Systems. Sein Ideal ist das derMechanisierung der gesamten Volks- und Staatskräftein allen einzelnen Vorgängen der inneren nnd sogar derauswärtigen Politik, die Geringschätzung alles folgerichtigenDenkens, man könnte sagen des Gedächtnisses selbst. DaSKunstgeheiinnis bewährt sich in jener Mechanisierung der