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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
269
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stab. zurückführt, dieses erstaunliche Gefüge, welches nichtbloß den äußeren Gehorsam, sondern das innere Lebenseiner Augehörigen mit zwingender Gewalt ersaßt und inÜbereinstimmung setzt, hat dem Glauben an die Herrlichkeitdes Staatsmechanismus ganz begreiflicher und zugleicheffektvoller Weise die Wege geebnet. Man stößt darummit Zweifeln gegen die Lebensfähigkeit einer staatsmäßiggeplanten und geleiteten Produktion sehr häufig auf denEinwand, daß durch die Vollkommenheit des militärischenWunderwerks ein schlagender Gegenbeweis erbracht sei.Natürlich wird dabei übersehen, daß gerade dieses Wunder-werk selbst nur das Erzeugnis einer aus der freien ArbeitS-»nd Denkthätigkeit der Millionen hervorgegangenen Kulturist und nicht diese Kultur ernährt, sondern von ihr ernährtund erhalten wird, keine Spanne Zeit hindurch anders alsauf dem Boden und auf Kosten einer solchen Kultur be-stehe» könnte. Aber das von der großen Wirkung be-troffene Auge sieht nur diese Wirkung, und der innere Zu-sammenhang kommt nicht zum Bewußtsein. Dies um somehr, als dank der Allgegenwart, mit welcher die Hseres-einrichtnng das ganze Leben der Nation umspannt unddnrchdringt, das Deuken in dem breitesten Umfang selbstvon dessen Geist durchzogen wird. Hat doch sogar dieäußere gesellschaftliche Sitte deu zähen Provinzialgeist ansdem Wege der militärischen Propaganda unifiziert! Diesüddeutsche Formlosigkeit hat sich den festeren norddeutschenErgevenheitsformen gefügt, ohne Zweifel auf dem Wege derÜbertragung durch den Offizierton. Diegnädige Frau"und diegesegnete Mahlzeit" und das Sichselbstvorstellenverdanken offenbar dieser Fortpflanzungsart ihr siegreichesEindringen bis in die kleinen Kreise der bayerischen undschwäbische» Landstädtchen. Die harte Zncht des preußi-schen Soldatenstaates hat dessen bürgerlicher Gesellschaft