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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
271
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zur Grundbedingung. Für die Aufnahme und Ausgleichungvon Gegensätzen ist hier kein Raum. Man darf sich nichtwundern, daß die in so raschem Tempo vollzogene Errichtungdes Deutschen Reiches und sein gewaltiges, einer wahrlichwiderstrebenden Außenwelt aufgedrungenes Ansehen, unddie Art, wie es durch die Initiative eines einzigen, alleAnderen weit überragenden Mannes zu Stande gebrachtwurde, über den Geist der Nation für diese Zeit eine un-widerstehliche Macht erlangt hat. Die so lange staatloseund zum Aschenbrödel unter ihren Schwestern gewordenedeutsche Nation sieht ihr Reich plötzlich auf die Höhe derfurchtgebietenden Macht erhoben und bewuudert sich in demneuen Staatsgebilde und in dem Begründer derselben, siehtin beiden das A und das O alles Gelingens, traut daherdem Staat und dem Mann alles zu. verwirft, was sichvon ihm entfernt oder gar ihm entgegenstellt. Und derManu, der diesen Triumph in sich verkörpert, fühlt sichdoppelt und dreifach versucht, diese Eiuseitigkeit zu stärken.So wirkt alles zusammen, die Staatsallmacht als das höchstealler Güter erscheinen zu lassen. Da Blindheit nnd Leiden-schaft sich willig zur Einseitigkeit gesellen, reckt sie ihre Fang-arme immer weiter auS, wird alles ausgeschieden, was sichnicht von ihr bestricken läßt. Höhe des Selbstgefühls, mitder Verachtung alles anderen gepaart, erleichtert die Arbeitdes feindseligen AbsperrenS und Abstoßens im Innern wienach Außen. Die Fehler der Vergangenheit geben schein-bar solchen Tendenzen ihre Berechtigung. Da deutscheFeldherren ^niemand mehr als deutsche Fürsten undAdelige) dem Ausland Jahrhunderte lang heimatlose Kon-oottieri gewesen, da deutsche Bildung zweihundert Jahrelang ausländischen Mustern gefolgt ist, so soll das Über-maß der ehemaligen Unselbständigkeit uud Weltbürgerlich-keit jetzt durch das entgegengesetzte Extrem kuriert werden.