gemeinen Kulturzwecks, welcher ihrem nationalen Tempera-ment am meisten entspricht, ähnlich wie das Prinzip derArbeitsteilung in der Welt die Ausgaben unter die Einzelnenverteilt. Wenn wir dieser Ansicht sind, so müssen wir be-kennen, daß Deutschland mit der großen Macht, zu der esgelangt ist, auch den Beruf hat, jene besondere Art vonEinfluß auszuüben, der seiner angeborenen Leichtigkeit, dieZustände und Besonderheiten anderer Nationen zu verstehen,entspricht. Ein Deutscher kann dies aussprechen, ohneanderen Nationen zu Nahe zu treten; denn es teilt Deutsch-land eine Stellung in der Welt zu, welche das Wachstumdes Deutschen Reiches zn einem Segen zu Hause unddraußen machen könnte. Alles, was vor Jahrhundertenmit dem Gedanken eines Deutschen Reiches unter dem Na-men des Heiligen Römischen Reiches sich verbinden ließ,könnte dadurch in einem höheren und besseren Sinn erfülltwerden. Deutschland würde nicht, wie damals, danachstreben, im Bnnde mit dem Papst die Welt zu regieren,sondern es würde jedem Volk sein gerechtes Teil an derallgemeinen Entwicklung lassen, um, indem es seine eigenegroße Macht in die Wagschale wirft, den Ausschlag nachder Seite des Friedens und der Gerechtigkeit zu geben.
Dies ist die große Aufgabe, welche in Wahrheit zudem Geist der deutschen Nation stimmt, und welche auchder Empfindung derer, welche mehr oder weniger zur Grün-dung des neuen Reiches beigetragen habeu, nahe liegt, wo-gegen jene Bewegung, zu deren Bezeichnung wir das Fremd-wort „Chauvinismus" brauchen, so sichtbar das Ergebnisfremder, künstlicher und nur vorübergehender Einwirkungist, daß wir hoffen dürfen, es wieder verschwinden zu sehen.Die Art und Weise, in welcher Deutschland und England in diesem Moment (1890) wieder einander näher kommen,