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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
309
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mit seinen Bedenken gegen die Gefahren der sozialdemo-kratischen Bewegung und mit dem Glauben an die Not-wendigkeit, ihre Anhänger mit der äußeren Gewalt zu be-kämpfen. Und dieser Überzeugung ist er zum Opfer ge-fallen, er, der keiue Überzeugung zu ehren verstand. Umdie Tragik der Sache zu vervollständigen, ist ihm das wider-fahren, weil er mit der bloß dekorativen Verwendung sozial-politischer Ideen neben den äußeren Gewaltmitteln dieSituation beherrschen zu können meinte. Unter allen Stückendieser dekorativen Künste war von ihm keines auf so vielEffekt berechuet als die kaiserliche Botschaft vou 1881,sein eigenstes Werk, klüglich ersonnen, um jedem Widerspruchals einer Jmpietät den Mund zn schließen, dadurch, daßdas greise Haupt des verständigen Soldaten in den abend-rvtlich ergreifenden Glorienschein eines empfindsamen Sozial-heiligen gerückt ward. Und Gott weiß, wie viel falschesPathos all die Jahre her an dieses scheinbar gelungeneWerk verschwendet worden ist. Aber auch das sollte sicham Kanzler und an dem engeren Kreis seines begeistertenAnhangs rächen. Nicht Jeder nämlich von denen, welcheim Verlauf der Zeiten in diesen Dingen ein Gewichtigesmitzureden haben svllteu, faßte das Stück so lediglich dekorativauf, wie es gemeint war. Und als nnn der Kanzler mitder nenen Weltanffasfung, zu der er doch selbst das Zeichengegeben, beim Wort genommen wnrde, da kam ihm dasüberrascheud und ungeheuerlich vor. Dem begeistertenBismarckgefolge der hohen Bourgeoisie ging es nicht anders.Auch sie hatten sich auf die Trefflichkeit der Dekorationverlassen, dachten damit und mit Strafgesetzen nm die Sachehernmzukvmmeu, wie der Meister. Darnm teilen auch siejetzt den Groll über den Erust, auf deu sie nicht gerechnethatten. Die ganze Bismarcksche Sozialpolitik war in ihrerArt der Versuch eines Kompromisses, aber ein so faden-