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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
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das Dreiste auf den großen Beifall rechnen kann (rauschen-der Beifall lohnte dem Redner" ist die stehende Formel)in solcher stiller Zeit drängt sich dem unbefangenen Beob-achter doch nur um so gewaltiger der Gedauke auf, daß dierichtige Diagonale zwischen allen diesen verschiedenen Linienzu finden die wahre Aufgabe, auch für die Parteien, ist.An der einen Stelle scharen sich die Tausende von Gläu-bigen nm die streitbaren Führer der Ultramontanen, undihre gewaltig ertönende Stimme hallt wider durch die Laude,als verkündeten sie die einzige unwiderstehliche Wahrheit.Aber siehe da, von der andern Seite sammeln sich nichtminder die Massen der Sozialdemokratie, welche von Allem,was dort heilig und unantastbar erscheint, keine Silbeglauben und doch ebenso lant wie Jene auf die Richtigkeitihrer Sache Pocheu. Und dazwischen bewegen sich alle dieanderen rechts und links gruppierten Überzeugungen, linddaS Alles wird überstrahlt von dem Glanz nnd übertöntvon dem Geränsch der kriegerischen Machtentfaltungen, welchedas Herrscherinn des Schlachtengottes sich uud dem schau-lustigen Gewühl der Menge bietet. Wo ist da die Wahr-heit? Selbst Bebel nnd Liebknecht haben gefunden, daßman mit dem Gegebenen sich vertragen muß, und freilichhaben auch sie wieder ihre Jutrausigenteu gefuudeu, die sieanklagen, daß sie schwach nnd halb seien.

Es ist interessant für uns Deutsche, uud gerade nachdem Abgang des Fürsten Bismarck, Bekanntschaft zn machenmit einem Buch, welches sich das Problem des Kompromisseszur besvudereu Aufgabe gestellt hat. Unser einstmals libe-rales Bürgert»»! hat sich im Laufe der Jahre im Zusammen-lebe» mit dem überlegenen Kanzler zn Tode kompromittiert,und es ist kein Wnnder, daß die Leute, welche es in dieseGrube hineingeführt haben, schließlich als letzten Satz ihrerWeisheit ausposaunen, daß es überhaupt keine Grenzlinien