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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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geben dürfe, daß alles Partciwesen sich überlebt habe. Dasist die Weisheit desjenigen Geistes, der sich befreit, indemer, wie der Dichter sagt,entspringt aus den Banden derVerminst". Statt zu sagen, daß die Parteien aufhörenmüssen, sollte es heißen, daß die Parteien ihren Gehaltsichten und befestigen nnd sich den Aufgaben einer neuenEpoche gegenüber auf sich selbst besiuueu müssen. Nochschleppt sich, gauz naturgemäß, ein großes Stück des Bis-marckschen Anhanges am alten Seil weiter, wenn schon derFührer in die Tiefe hinabgeglitten ist. Ihr Dünkel undihre leere Selbstgefälligkeit haben so lange Zeit hindurchkeinen anderen Leitstern gehabt als den in jedem neuenMoment auftauchende» Wink des vergötterten Helden, daßsie einstweilen noch von den Resten dieser Gewohnheit zehren.Aber auf die Länge kann das doch nicht genügen. Einenneuen Bismarck bekommen sie nicht, und so werden sie schonselbst einen Inhalt für ihre Politik finden müssen; dennwas die kanzlerische ihnen an Grundsätzen hinterlassen hat,ist weniger als nichts. Sie werden daher vor Allein zuprüfen haben, wo sie fehlten, als sie anfingen, sich allmählichans die vollendete InHaltlosigkeit herunter zn kompro-mittieren.

Alle Fragen der Endlichkeit sind Grenzfragen. Woist die Grenze zwischen dem gesnnden nnd dem ungesundenKompromiß? Wollte Jemand im Hinblick auf die Geschichteder nationalliberalen Partei in Deutschland ein Buch nachder Analogie desjenigen schreiben, welches John Morley auf Gruud englischer Zustände unter dem TitelÜberKompromisse"*), verfaßt hat, er würde eine noch viel reichereAusbeute finden. Diejenigen, welche dies Buch in der Ur-sprache zu Rate ziehen wollen, werden daraus lebhafte An-

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