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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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getreuen blumenbeladeuen Damen und Herren ans demHamburger Bahnhof empfing. Man hat gut von Eisensein, der Rührung über sich selbst entgeht man nicht soleicht wie der über Andere.

Gestorben ist er, zum Glück! nicht, und zn grabenbrauchte mau also heute nicht, und gewiß nicht mit blut-rünstigen Fingernägeln, um ihn wiederzuhaben. Aber werruft nach ihm? Wenn man heute im Deutschen Reichedarüber abstimmen ließe, ob er wieder in seine alte Herr-lichkeit eingesetzt werden solle, nur eine kleiue Minderheitwürde dafür eintreten. Selbst unter denen, die in ihmden unerbittlichen Vorkämpfer ihrer schutzzöllnerischen Sonder-interessen beweinen, würde nur eiu Teil um diesen Preisdas alte Joch wieder ans sich nehmen wollen. Im Laufeeines ganzen Jahres hat keine Partei und kein einzelnerReichstagsabgeordneter sich versucht gefühlt, eiu Mandatfrei zu macheu, um es ihm anzubieten. Endlich hat derZufall eine Neuwahl herbeigeführt, für die ihn ein agra-risch-nationalliberaler Franctirenr nnter seineil Schutz ge-nommen hat. Gelingenden Falls kommt der Sieg nurdurch ein Znsammenwürfeln der buntest gemischten Elementezustande. Ist es nicht auch bedeutsam, daß uach einemvollen Bierteljahrhundert diensttreuer Begeisteruug undHeerfolge der geschickteste aller Nationalliberaleu, Miguel,auf deu längst verdienten Ministersessel erst gelangen konnte,nachdem, weil und nicht obgleich, Fürst Bismarck ans demAmt geschieden war? Daß erst dnrch diese Wandlung dieOberpräsidentschaft Beunigseus vom Beigeschmack einigerSubordination befreit erscheint?

Man wird von Herrn von Treitschke, obgleich er Hof-histvriograph ist, nicht verlangen, daß er richtig in die Zu-kunft schane. Ju wessen Augen sich die Vergangenheit sogransam verzerrt spiegelt, der sieht natürlich die kommenden