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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Dinge um so schiefer. Aber Eins muß man doch zugeben:daß die Prophezeiung so gründlich zu Schaudcu würde,hätte Keiner gedacht, mich die nicht, welche sie damalsbelachten. Und zwar ans doppeltem Grunde. Zum Erste»,weil man nicht ahnte, daß der Kanzler auf die Weise, wiees gekommen, gestürzt, und daß er nach diesem Sturz sichso, wie geschehen, geberden würde; zum Zweiteu, weil mausich von den Diugeu, die uach ihm kommen würden, eineNorstellung machte, welcher die Wirklichkeit nicht ent-sprochen hat.

Als die unwahrscheinlich klingende Kunde des großenEreignisses durch die Welt flog, gesellte sich zum starreuErstauueu viel des baugeu Zweifels. Am merkwürdigstenstellte sich das Ausland zur Sache und ganz besondersFrankreich . Aus der Presse wie aus mündlichen und brief-lichen Aenßernngen war deutlich zu ersehen, daß die Fran-zosen , welche in Bismarck doch den dämonischen Urheberihrer Niederlagen erblickten, über seinen Stnrz erschraken.Große Geschicklichkeit und großer Erfolg erzwingen sichüberall die Pewnndernng, aber nirgends so sehr wie inFrankreich . Der Olia-ueolitti' cks tsr ist von Niemand mehrverherrlicht worden als von französischen Publizisten. Eslhat ihnen auch wohl, daß der Mann, der sie überwundenhatte, so gewaltig die Geißel über seine ^audsleute, die ge-haßte» Deutschen, schwang. Unsere Ohnmacht seiner All-macht gegenüber war der Trost »»d die Freude uusererFeinde. Doch daS allein war es nicht, was sie stutzigmachte. Alle, die deu bestehenden Znstand in Europa füreinigermaßen erträglich hielten, die sich dachten, es konntedoch schlimmer komme», als es wäre, stände» auf eüimalvor der Frage: Was mm? linier allen Fragen aberdrängte sich natürlich die verhängnisvollste hervor: Krieg

oder Friede? Fürst Bismarck galt mit Recht bei den ein-Ludwig BambcrqerS Ges. Schriften. V. 21