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sichtsvollen Politikern der ganzen Welt für einen entschie-denen Freund des Friedens. Wärmn Hütte er es michnicht sein sollen? Aber nicht bloß diesen seinen Willen zogman in die Berechnung, sondern ebenso sehr seine Knustund Erfahrung. Auf beide rechneten die Franzosen gegen-über einein jugendlichen Thatendurst, von dem sie den neuenKaiser beherrscht glaubten. Denn trotz allem Lürm derBvulevardspresse haben sie nicht die geringste Lnst nachKrieg, und selbst den Läriumnchern ist es viel mehr um dasGeschrei nach Rache als um die Rache selbst zu thun. Dasschließt natürlich nicht aus, daß in einem unbewachtenAugenblick das Kriegsgeschrei Alles mit sich fortreißenkonnte. — Am nngemischtesteu war das Gefühl der Zu-friedenheit bei derjenigen deutschen Partei, welche sich rühmendurste, Bismarcks Haß am stärksten auf sich gezogen zuhabeu und nicht unverdient, weil sie die unheilvollen Wir-kungen seines Regimentes immer mehr erkannt hatte. Aberüberrascht war doch auch sie. Zwar das „Fort mit Bis-marck", welches man ihr als eine schaudererregende Blas-phemie untergelegt hatte, war nie gefallen; allerdings nurdeshalb nicht, weil es nichts geholfen hätte, und es unge-schickt nnd geschmacklos ist, dergleichen anszusprechen, wennman es nicht wahr machen kaun. Des GedaukeuS hätteman niemals Hehl gehabt. Erst ein Jahr vor der Kata-strophe tauchte die Ahuuug einer heranrückenden Möglich-keit am Horizonte auf, und damals auch ward schon in derWochenschrift „Nation"*) die Frage der „Nachfolge Bis-marcks" znm Gegenstand ernster Erwägungen gemacht.Ebenda wurde bei diesem Aulas; vorausgesagt: nur durchein Machtwort von oben könnte ein solches Wunder ge-