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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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scheheu. Jedoch nach jenem ersten Sturmzeichen war eswieder ruhig geworden.

Da siel im Anfang des Monats Februar 1890, mittenin die Wahlbewegung, wie eiu Blitzschlag, die KaiserlicheBerufung der Europäischen Konferenz zur Ordnung derArbeiterfrage. Am Tage ihrer Veröffentlichung in derPresse, eiuem Freitag, traf ich mit dem Heransgeber derNation", meinem Kollegen, im Eisenbahnwagen, der unszu unseren Wählern führcu sollte, zusammen. Wir warennatürlich voll von dem Ereignis und einig darüber, daßdamit der Stab über das Sozialisteugesetz gebrochen sei.Nun wurden auch die sonderbaren Vorgänge, welche dieSchließung des Reichstag? begleitet hatten, klar; zum erstenMal trat der Gegensatz zwischen Kaiser- und Kanzler-Politikgreifbar hervor, uud halb im Ernst, halb im Scherz sagteich beim Auseinandergehen zu meinem Freunde:Am Endefeiert Bismarck seiuen füufuudsiebeuzigsteu Geburtstag ambevorstehende!? 1. April als Privatmann zu Friedrichsruh ."Ich sagte es, aber ich glaubte es uicht. Wer hätte auchdem juugeu Herrscher, der zwei Jahre vorher iu eiuem feu-rigen Trinkspruch deu Kanzler als seiueu Führer im Stnrmeder Schlacht gepriesen, der sich für seinen bewundernd zuihm aufblickenden Schüler erklärt hatte, zugetraut, daß ernach so kurzer Zeit diesen stolzen Mann, der nach dem Ur-teil der Welt ihm von einem Gott zur ehernen Stütze ge-geben war, mit Überwindung des zühesten uud grimmigstenWiderstandes ans seiner Höhe herabstürzen würde?

Nun folgten Tage der höchsten uud interessantestenAufregung. Zwar hatte man zwei Wochen vorher einekaiserliche Rede (am ü. März) gelesen, in welcher die Wortestanden:Wer sich mir widersetzt, den zerschmettere ich."Aber wer damals wagte, das auf Bismarck zu deuten, wurdebelächelt, obgleich Dank dem Ausfall der Wahleu vom

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