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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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29. Februar eine bedeutsame Wendung schon mehr in denBereich des Möglichen gerückt war. Hatte der Kaiser mitder Einberufung der Konferenz dem Sozialistengcsetz denLebensfaden durchschnitten, so machten die Wähler zweiWochen später mit ihrer Abstimmung dem famosen Septen-nats-Kartell den Garaus. Damit waren die beiden Lieb-lingsgeschöpfe des Kanzlers zu Tode getroffen. Er witterteUnheil und rüstete sich zn neuem, kräftigem Widerstand.Können die freisinnigen Wähler und Gewählten sich auchnicht zn ihrer Befriedigung sagen, das; sie selbst den Kanzlergestürzt haben, so dürfen sie doch gewiß sein, mit der Be-siegung des Kartells ihren Feind in eine Verlegenheit ge-drängt zu haben, die ihn zu falschen Schritten führte.Wenige Tage, nachdem das Wahlergebnis die Vernichtungseiner blindergebenen Gefolgschaft besiegelt hatte, sagte erzu dem Gesandten einer Großmacht, er lasse sich das nichtanfechten, er werde nun erst recht iu deu Reichstag gehenund seiue Geguer zu Paareu treiben, sich durch eine neueKombination seiue Stellung neu befestigen. Was damitgemeint war, lies; sich aus der geheimen Besprechung, dieer bald daraus mit Herrn Wiudthorst hatte, erraten. Dadie zusammengeschmolzene Schar der Freikvuservativen undNationallibernlen zur Bildung einer Mehrheit mit denKonservativen nicht mehr reichen konnte, so sollte ein ultra-montan-konservatives Kartell hergestellt werden, und diesscheint des Kanzlers Plan gewesen zn sein. Der Plan warauch taktisch nicht gerade salsch; ans einer bekannte» parlamentarischen Szeue war sogar der Schluß gezogen, das; ihnsein Nachfolger mit dem Nest des Bismarckschen Inventarsübernehmen wvlle. Wieweit schon damals die Verabredunggedieh, ist Geheimnis geblieben, denn diese Zusammenkunftselbst gab den letzten Anstoß, welcher »»mittelbar daraufden Stein der Zerschmetterung ins Rollen brachte.