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nicht heilsamen Mischung einseitig konfessioneller und aristo-kratisch agrarischer Faktoren zusammengesetzt ist. Hat sichetwa gezeigt, das; dieser Zustand mit dem Wechsel im>tanzlerregiment beseitigt ist? Im Gegenteil, er scheint sichnoch mehr zu befestigen als vorher. Nachdem Bismarck der Partei des Zentrums durch den Krieg aufs Messerinnere Kraft nnd Anhang in die Breite zugeführt, hat erin der Versöhnung mit ihr, vermöge seines Übergangs zueinem extremen Schutzzollsystem, aus ihr den eigentlichenTräger seiner gesamten inneren Politik gemacht. Wenn dieRegierung seines Nachfolgers jetzt in erster Reihe immermit dieser Abhängigkeit rechnet, so ist das zunächst aufRechnung dieser Nachlassenschaft zu schreiben.
Gerade so verhält es sich mit den Schmerzen, welchedie Sozialdemokratie der nenen Ära bereitet. Erfundenhat Fürst Bismarck ebenso wenig den Ultramontanismuswie den Kvmmnnismns. Aber Alles, was persönliche In-tervention thun konnte, hat seine Macht für ihre Kräfti-gung gethan. Es zeugt von merkwürdiger Kurzsichtigkeit,wenn die Anhänger, welche sich nach ihm zurücksehnen,mancherlei, was jetzt zu ihrem Mißvergnügen geschieht, derKrone oder dem nenen Kanzler zur Last legen, sei es aufdein Gebiet der Kirchenpolitik, sei es auf dem der sozialenBewegung. Es sind doch Alles nnr die unausbleiblichenFolgen der Richtung, die der erste Kanzler Jahre lang un-nnsgesetzt den öffentlichen Angelegenheiten und dem öffent-lichen Geist gegeben hat. Am meisten inneren Groll undinneres Unbehagen hat bekanntlich die neue Ära in denReihen der Bismarck begeisterten Großindustrie erregt durchein gewisses nachsichtiges, sagen wir, selbst ermunterndesVerhalten zu den Ansprüchen der Berg- und Fabrikarbeiter.Aber diesen Geist — er sei ein gnter oder schlimmer —wer hat ihn groß gezogen mit Schmeichelreden und mit
Ludwig BnmbcrgcrS Gcs. Schriften. V. 22