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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
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anderen Experimenten wiederholt. Als letztes Andenkenhaben wir die Kolvninlpolitik behalten, das Urbild politischerMomeutphotvgraphie, die Ausgebnrt einer vorübergehenden^lnwaudluug, entstanden unter dem Einfluß höchst zwei-deutiger Autoritäten uud oberflächlicher Liebhabereien, ohneeigenen nachhaltigen Glanben des Kanzlers selbst, bald ge-fördert, bald gehemmt, bald bekannt, bald verleugnet, baldale> eigene Eingebung, bald als aufgedrängte Uuverineidlich-keit hingestellt. Auch im dunkleu Weltteil sitzt die gegen-wärtige Regierung fest, nur weil die vorausgegangene sichhineinverirrt hat.

Fürst Bismarck war ein großer Opportunist, leider einviel zu großer. In den seltensten Ausnahmen hat dieGüte einer Sache seine Handlungsweise bestimmt. Esgab nur eiu Objekt für ihn: Deutschlands Macht gegenAnßen nnd seine eigene Macht gegen jedes wider-strebende Element im Innern. Dieser realistischen Auf-fassung entsprechend, verfolgte er vor Allem zwei Ziele:viel Geld und gute Wahlen für die Regierung. Ein großerHandelsherr, einer, der ihn anfs andächtigste verehrte nndbewunderte, ward vor Iahren einmal zu ihm beschiedeu, umihn über eine Streitfrage aufzuklären, die zwischen ihm alsHandelsminister und der Berliner ^anfmauuschaft spielte.Ich hatte kurz darauf Gelegenheit, den Mann zu sprechen,der noch vor Erstannen ganz starr war und sich von seinerEnttäuschung uicht erholen konnte. Mit thatsächlichein Ma-terial nnd sachlichen Argumenten bewaffnet war er zur Kou-fereuz gegangen, nnd nnn kam er ganz verdutzt zurück:Vvu nichts als von Wahlen hat er mit mir gesprochenuud von Anderem nichts hören wollen."

Alle Art von organischer Gesetzgebung war ihm iuuer-lich zuwider. Weuu man zur staatSmäunischen Größe denSinn für dauernde Rechtsverfassnngen verlangen kann, so

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