Druckschrift 
5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
340
Einzelbild herunterladen
 

340

besteht er sicher die Probe nicht. Was an solchen unterseiner Herrschaft entstand, ward entweder seiner Indifferenzoder seinem Widerstand abgerungen nnd trägt die Spnrendavon. Das erste Erfordernis einer jeden Einrichtung warfür ihn, daß sie nach Belieben geändert und beseitigt werdenkönne. In den Tagen, als die Reichsprozeßordnuug be-raten wurde, erzählte er eiustmals der Korona der Nach-tischsgesellschaft, er sei zufällig jüngst an die Thüre desSaales gekommen, in welchem die Kommission tagte; eineWeile habe er, da sehr laut diskutiert wurde, aufgehorcht,dann habe er sich eilig abgeweudet, von Grauen erfüllt, daßdie Juristen in der Gesetzgebung sich über solche Dinge soheftig streiten könnten.

Das Deutsche Reich ist sein Werk. Diesen Ruhm sollihm Niemand abdingen, und die Nachwelt wird ihu befesti-gen. Aber vou allen Schwierigkeiten, mit denen unsereZukuuft sich schon jetzt schwer belastet zeigt, kommen auchdie meisteu auf seine Rechnung. Er hat die Bahnen be-stimmt, iil denen sich die Institutionen, die Gesetze, nnd,was noch wichtiger ist, die Geister bewegen. Nicht minderdie heutige Lage nach Anßen ist sein Werk ob ein ge-lungenes oder nicht, auch das ist noch eine offene Frage,über welche das letzte Wort lange nicht so unwiderruflichgesprochen ist, wie vielfach als ausgemacht gilt. Endlichdie Verderbnis der Sitten im öffentlichen Leben, an derer mit schauerlicher Macht gearbeitet hat, ist so tief einge-druugen, daß nach eiuer kurzen Zeitspanne scheinbarerBesserung die Gefahr sich gezeigt hat, daß auch diese altenSchäden ihn mehr und länger überdauern mögen, alsMancherin seiner Unschuld gehofft hatte.