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denke nur an die gewaltsame Auslegung der Elbschiffahrts-akte, um Hamburg zum Eintritt in den Zollverein zunötigen, an die Arnim- und die Kesselflicker-Paragraphen,welche im Zorn über ein Erlebnis dem Codex des Reichs-strafrechts einverleibt wurden. Natürlich kam es dabei aufSymmetrie und logische Ordnung der Justitutioueu nochweniger an als auf die dauernde Nützlichkeit des Ge-schehende!?; je uufertiger desto bequemer. „Die Politik inSchwimmhosen", auch eines seiner köstlichen Bilder, war dasIdeal für die gesamte Gesetzgebung. Als ihm der Reichstag einmal kleinliche Schwierigkeiten machte, 7000 Mk. für dieHerstellung des Gartens im ucueu Gebäude der Wilhelm-straße zu bewilligen, sagte er im Laufe der Debatte: „ThunSie sich keinen Zwang deswegen an, meine Herrn; wennSie mir den Garten nicht bewilligen, so lege ich eine Kiefern-schouuug an und setze Hasen hinein." Und als man ihmeinst von der schonen Einrichtung erzählte, welche derMinister von Noon auf seinem neuen Gute Gütergotz ange-schafft habe, sagte er: „Ich habe immer bemerkt, daß dieLeute, welche viel auf schönes Mobiliar halten, schlechtessen." Ju diesem Geiste behandelte er auch den Staatund die Gesetzgebung.
Wenn man diese Gegensätze znsammenhält — undwas ließe sich nicht alles beibringen, Großes und Kleines,wollte man anch nur diesen Teil des Bildes ganz entrollen— so darf man dabei nicht übersehen, bis zu welchemGrade das Ingenium der beiden Völker hier die Unter-schiede motivierte. Napoleons organisationsfreudigemSchaffensdrang entsprach die rationalistisch-shstematischeDenkart des französischen Geistes, während Bismnrcks vor-behaltvolles empirisches Herausgreifen des nächstgebrauchteuObjektes sich mit dem starrköpfige» Widerstreben deutscherEigenart und deren zäher Liebhaberei für krause Absonder-