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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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mit den kleinsten Mitteln geführte Kampf ums persönlicheDasein eher versöhnend als verbitternd wirken. Er legt dieVermutung nahe, daß so manche Akte gransamer Verfol-gung nicht, wie man ehemals denken konnte, einer kaltenBerechnung entsprangen, sondern einein natürlichen Impulsdes Temperaments. Haß und Rachsucht sind keine erbau-lichen Charakterzüge, aber als unmittelbare Ausbrüche einernngezähmten Persönlichkeit sind sie für unser Gefühl er-träglicher, als wenn wir ein diabolisches System vor unszn sehen glauben, welches sich sagt: der Kleinste wie derGrößte, der nicht pariert, muß unbarmherzig gequält undvernichtet werdeu. Und daran schließt sich die Folgerung,daß manches, was mehr aus unmittelbarer Aufwallung derpersönlichen Gereiztheit als aus Abwägung der Zweckmäßig-keit geschah, auch zweckwidrig für den Urheber werdenkouute. Wer weiß, ob solche heftige Antriebe persönlicherAntipathie oder Ranküne nicht gerade an gewissen Hinter-lassenschaften in unsern auswärtigen Beziehungen mit schuldsind, an denen wir am schwersten zu trageu haben? Viel-leicht giebt einst, wenn die Siegel des Schweigens gelöstwerden, die Zukunft hierüber noch merkwürdige Aufschlüsse,die wir vorerst nur ahnen können.

Fürst Bismarck hat sich vierzig Jahre lang als einsolcher Meister auf dem Feld der Persönlichen Schachzügeerwiesen, daß man nicht vorschnell ein absprechendes Urteilüber die Methode seines Kampfes nm die Rückkehr zurMacht fällen soll. Er führt ihn auf denselben offenen undverdeckten Wegen des Federkrieges, in dem er seit seinenTagen von Frankfurt so vieles durchgesetzt hat. Auf dasGerede der Menge, auch der, die ihn anbetet, kommt o ihmdabei nicht an. Sie muten ihm zu, iu großartig stolzerWeise seiuen Fall hinzunehmen. Aber über solche Gemein-plätze, wie das llodlssizs ollliAv, ist er stets erhabeu ge-