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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
369
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Phantasie sich so edel ausnehmen, ein Beweis, daß mandort nicht ganz so schlecht von uns denkt. Der deutsche Prinz Arenberg, welcher Berichterstatter für die Kamerun-bewilligung war, wird hoffentlich dem Namensvetter, derau der Spitze des französischen Aufrufs steht, nicht dieseIllusion benehmen.

Der Fortschritt der Afrikalotterie liegt darin, daß, so-weit ihr Ertrag reicht, nicht mehr jeder Steuerzahler zu demKolouialsport beizutragen gezwungen wird, sondern nur dergewinnsüchtige und einfältige Lotteriespieler. Hierin liegtzugleich ein tiefer Sinn. Was mit der Trommel verdientwird, geht mit der Flöte zum Teufel.

Nur Eines fragt man sich, oder vielmehr Zweierlei.Nämlich erstens: wenn in der Stufenleiter der Zwecke immereiner dem anderen als dem höheren Mittel dienen darf, warumnicht zur dauernden Förderung erhabener Zwecke ein vielwirksameres dauerndes Spiel einsetzen? Wie, wenn man diealten Rouletten in den Badeorten wieder einführte, nurmit dem Unterschied, daß ihr Gewinn zur Bekämpfung desSklavenhandels zu verwenden wäre? Zwar ist mit denJahren immer stürmischer die Frage aufgetaucht, ob nichtvon wegen der öffentlichen Moral dem bösen Fürsten vonMontecarlo zu Leibe zu gehen sei? Aber es käme ebennur auf den höheren Zweck an, um die Jmmoralität inihr Gegenteil zu verwandeln.

Und nun zweitens: wenn doch einmal dieser Grund-satz zur Anwendung kommen soll, darf die Frage nicht auf-tauchen, ob es keinen noch höheren Zweck gäbe als die Be-freiung der Neger? Warum dachte man nicht an die eignenotleidende Landwirtschaft?

Mau könnte sogar als einen Vorschlag zur Güteprüfen, ob nicht, wenn der österreichische Handelsvertrag denGetreidezoll herabsetzt, zur Entschädigung der Landwirtschaft

Lndwip Bamberlirrü Kcs, Schriften. V. 24