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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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edle Zweck (welcher nicht einmal der wirkliche ist) der Sklaven-befreinng müsse über die Bedcnklichkeit des Mittels hinaus-heben. Alles ganz gewiß im uuschuldvollsteu Bewußtsein.Es ist auch gar nicht tragisch zn nehmen; nur über dieMaßeu komisch ist es, noch komischer als die Vergattung derMarseillaise mit der Zarenhymne.

Nicht bloß ein netter Humor, sondern sogar ein gewisserFortschritt liegt in der Geschichte. Die deutschen Kolonial-schwärmer, unter welchen sich bekanntlich Leute von hohemRang befinden, haben nämlich ihren Edelmut bis jetzt immerdamit bethätigt, daß sie ihre Unternehmungen zwangsweisevon den Steuerzahlern bestreiten ließen. Der Staat, d. h.der Steuerpflichtige, muß ja neuerdings bei uns für alledie großen Tugenden bezahlen, zu welchen die hohen Herrendie schönen Worte liefern, gelte es praktisches Christentumzu Hause oder Negerbefreiuug iu Afrika . Als die Ex-peditionen der thatendurstigen Lieuteuauts uach dem west-afrikauischeu Hinterlands mißlungen waren, flugs war eineVorlage da, welche Geld für neue Ausrüstungen verlangte;uud die Aufopferungsfähigkeit der kolonialgesinuten Volks-vertreter öffnete alsbald wiederum in ihrer unerschöpflichenGroßmut die Taschen der Steuerzahler. Dagegen in Frank-reich, in dem Frankreich , das für seine Staatsallmacht ver-schrieen ist, haben sich die Liebhaber der identischen Sachenicht an den Staat, sondern vernüustiger uud gerechterWeise an ihre Gleichgesinnten um freiwillige Gaben ge-wandt, um eine neue Tschadsce-Expedition nach dem Scheiter»derer von Crampel auszurüsten. Besonders ist in demAufruf hervorgehoben, daß es nicht Aufgabe der Steuer-zahler sei, hier eiuzuspriugen. In ihrer Unschuld berufensich die Unterzeichner sogar auf deutsches Beispiel. Es istnoch ein Trost, daß uusere Kolouialschwärmer, weuu auchnicht in der Wirklichkeit, so doch in der französischen