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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Österreich noch viel mehr als Deutschland ein Ackerballtreibendes Land, hätte also, wenn die alles übertönendeNot der Landwirtschaft" nur durch Geldverschlechterungkuriert werden könnte, viel mehr als Deutschland Grund,eine gesunde Währung von sich fern zu halten.

Welche wahren Gründe hinter den falschen Vorwändeuder Geldverschlechterungstheorien stehen, welches die wahreilLeiden sind, die ein Land mit schlechtem Geld zu tragenhat, dies aufzuführen ist hier nicht der Ort. Wer es kurzund faßlich, aus der besonderen Erfahrung Österreichs her-aus geschildert, kennen lernen will, sei auf eine Darstellungverwiesen, die als ein Muster von Klarheit und Schärfeempfohlen werden kann-, das ist der Bortrag, den Pro-fessor Carl Menger in Wien vor der juristischen .Gesellschaftdaselbst im Monat Januar d. I. über diesen Gegenstandgehalten hat. Selten ist ein so schwieriges Problem sogründlich und anschaulich in einer kurzen Zusammen-fassung dem Laien ins rechte Licht gesetzt worden wie indieser Rede.*)

Giebt aber Österreich -Ungarns einmütiges Verlangennach der endlichen Erlösung aus schwankenden Geldunter-lageil die beste Antwort auf die Jeremiaden, mit welchenunsere Bimetallisten das große Werk der deutschen Münz-reform herabzusetzen bemüht sind, so bieten die Grundzügedes bereits deutlich festgestellten Planes der österreichischenNeuerung auch in ihren Einzelheiten die beste Widerlegungder falschen Behauptungen, auf welche jene Anklagen inDeutschland sich vornehmlich stützen. Da soll es die großeBerirrung gewesen sein, daß Deutschland zur reinen Gold-währung gegriffen habe. Dasselbe will nun Österreich thun,

^) Abgedruckt unter dem TitelVon unserer Valuta" in den Nummern12 und 13 der in Wien erscheinendenAllgemeinen Juristenzeitung" vom20. Januar und 1. Februar 1392.

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